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Angeklagte schweigen in neuem Prozess

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15.03.2013

Autobahn-"Ehrenmord" Angeklagte schweigen in neuem Prozess

Landgericht Hagen verhandelt gegen vier Familienangehörige.

Hagen – Ein fast fünf Jahre zurückliegender sogenannter Ehrenmord an einer 20-Jährigen aus Schwerte in Nordrhein-Westfalen beschäftigt erneut die Justiz. Vor dem Landgericht Hagen begann am Freitag der Prozess gegen weitere Familienangehörige des syrischstämmigen Opfers: die Mutter, der Bruder und zwei Onkel. Sie müssen sich wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes verantworten. Zum Prozessauftakt schwiegen die vier Angeklagten. Die Mutter ließ aber durch ihren Anwalt die Vorwürfe zurückweisen.

Einer der Onkel und der Bruder sollen laut Anklage die junge Frau verschleppt und Ende August 2008 auf einem Parkplatz an der Autobahn 45 bei Lüdenscheid erschossen haben. Die beiden Männer im Alter von heute 51 und 20 Jahren beschuldigen sich gegenseitig, jeweils die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Im Januar 2010 hatte das Landgericht bereits einen damals 21-jährigen Cousin der Getöteten wegen Beteiligung an der Tat zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Nach Feststellung des Gerichts in dem ersten Verfahren musste die junge Frau wegen ihres westlichen Lebenswandels sterben, der der Familie nicht gepasst hatte. Wegen ihres betont weiblichen Kleidungsstils und ihrem Gefallen daran, mit Männern auszugehen, habe ihre Familie ihr viele Vorwürfe gemacht. Daraus sei dann im Familienkreis die Forderung entstanden, sie zu töten.

Als sich die Familienkrise zuspitzte, floh das spätere Opfer in ein Frauenhaus in Iserlohn. Von dort aus soll die Mutter (48) sie laut Anklage kurz vor der Tat unter einem Vorwand zurück in das Elternhaus in die Falle gelockt haben, um den Mord zu ermöglichen. Als Familienoberhaupt nach dem Tod ihres Mannes soll die Mutter in die Pläne für das Verbrechen eingeweiht gewesen sein.

Der angeklagte zweite Onkel (49) soll zuvor mögliche Tatorte ausgekundschaftet haben. Der mutmaßlich als Todesschütze an der Tat beteiligte Onkel hatte sich den Ermittlungen zufolge nach dem Mord ins Ausland abgesetzt. Er wurde im September 2012 in Finnland festgenommen. Für das Verfahren sind 33 Verhandlungstage bis zum Juni angesetzt. Der Prozess wird nächsten Donnerstag fortgesetzt.

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