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Proteste nach schweren Ausschreitungen

© AP, dapd

02.02.2012

Ägypten Proteste nach schweren Ausschreitungen

Politiker werfen Sicherheitskräfte absichtliche Zurückhaltung vor.

Kairo – Nach den schweren Ausschreitungen nach einem Fußballspiel in Ägypten richtet sich der Zorn der Bevölkerung gegen Polizei und Militär. Am Donnerstag versammelten sich Tausende Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo die Proteste gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak im vergangenen Jahr ihren Anfang genommen hatten. Am Mittwoch waren 74 Menschen bei der weltweit schlimmsten Gewalt in der Fußballgeschichte seit 15 Jahren gestorben.

Rote Flaggen des Fußballclubs Al-Ahly und ägyptische Fahnen tragend zogen die Demonstranten vom Tahrir-Platz zum Innenministerium. Einige zogen Barrikaden aus Stacheldraht von der Straße und schleuderten Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei antwortete mit dem Einsatz von Tränengas.

Die Protestierenden werfen der Polizei Versagen vor und fordern Vergeltung für die Opfer. Die Opposition legte unterdessen nahe, der Militärrat habe die schweren Ausschreitungen geduldet, um Kritiker des Ausnahmezustands ruhigzustellen. Die Notstandsgesetze räumen den Sicherheitskräften weitreichende Befugnisse ein, sollen jedoch bald aufgehoben werden.

Die Aktivistengruppe “6. April” fragte am Donnerstag in einer schriftlichen Erklärung: “Ist es logisch, dass eine Truppe, die in der Lage war, eine Parlamentswahl in neun Provinzen zu sichern, nicht in der Lage ist, ein Fußballspiel zu sichern, bei dem Scharmützel zwischen den Fans zu erwarten sind?”

Während einer Krisensitzung der Abgeordneten warf Parlamentspräsident Saad el Katatni den Sicherheitskräften vor, bei den Krawallen bewusst nicht eingegriffen zu haben, um “die Revolution in Gefahr zu bringen”. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Parlament, Abbas Mechimar, sagte: “Das war ein komplettes Verbrechen. Es ist Teil eines Szenarios, Chaos in Ägypten zu stiften.”

Das ägyptische Innenministerium ging am Donnerstag von 74 Toten aus, unter ihnen ein Polizist. Weitere 248 Menschen seien verletzt worden. Die Sicherheitskräfte hätten 47 Randalierer festgenommen. Eine lokale Fernsehstation rief zu Blutspenden auf. Das Gesundheitsministerium erklärte, die meisten Opfer seien an Stichverletzungen durch scharfe Gegenstände, Hirnblutungen und Gehirnerschütterungen gestorben.

Alle seien bei Eintreffen im Krankenhaus bereits tot gewesen, hieß es. Um die Schwerstverletzten besser in Kairo behandeln zu können, entsandte die ägyptische Luftwaffe zwei Flugzeuge nach Port Said an der Mittelmeerküste.

Der Leiter des Sportausschusses im Parlament, Osama Jassin, sagte, der Innenminister, dem die Polizei untersteht, sei verantwortlich für die Gewaltakte. Er forderte zudem die Amtsenthebung von Generalbundesanwalt Abdel-Meguid.

Die USA und Großbritannien drückten ihr Beileid aus. “Ich fordere die ägyptischen Behörden auf, eine transparente Untersuchung einzuleiten, um die Ursachen dieser Tragödie aufzudecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen”, sagte der britische Minister für Nahost-Angelegenheiten Alistair Burt.

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