newsburger.de Nachrichten aus aller Welt

Private Krankenversicherungen erhöhen Tarife um 7 Prozent

Berlin – Privatversicherte müssen sich zum Jahreswechsel auf deutlich höhere Beitragssteigerungen einstellen als die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen. Nach einer exklusiven Berechnung der Analysefirma Morgen & Morgen für die Tageszeitung „Die Welt“ steigen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) zum Jahreswechsel im Durchschnitt um sieben Prozent an. Bei gesetzlichen Krankenkassen sind es nur vier Prozent. Die Beitragssteigerung in der PKV ist deshalb so groß, weil die Kosten bei den Privaten viel stärker steigen. Anders als die gesetzlichen Kassen hat die PKV bisher so gut wie keine Möglichkeiten, die Kosten zu steuern. Sie bekommt keine Steuerzuschüsse, und die Versicherungsunternehmen können den rund neun Millionen Kunden, die eine Krankenvollversicherung besitzen, von sich aus keine der vereinbarten Leistungen kürzen.

Der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer kritisierte die Beitragssteigerungen. Sie bedeuteten vor allem für Beamte und Pensionäre, die ohne großes Einkommen in der PKV versichert sind, eine große Belastung, sagte er der „Welt“. Es sei aber „letztlich die Aufgabe der PKV, ihre Einnahmen und Ausgaben selbst in den Griff zu bekommen, deshalb ist es ja eine `private` Krankenversicherung“. Die Politik könne allenfalls helfen.

Singhammer schlug vor, dass Ärzte und Versicherungen ausprobieren sollten, ob sie nicht abseits der amtlichen Gebührenordnung über die Preise für medizinische Leistungen verhandeln. Dies wäre durch Öffnungsklauseln möglich. „Ob solche Klauseln funktionieren, kann man in einzelnen Bereichen testen“, sagte Singhammer. Die Privatversicherer verlangen diese Möglichkeit seit Jahren. Die Mediziner wehren sich dagegen, sie befürchten „Billigmedizin“.

Die von Morgen & Morgen errechnete durchschnittliche Beitragssteigerung bezieht sich zwar nur auf private Krankenversicherungen, die im Jahr 2011 neu abgeschlossen werden. Nach Angaben von Martin Zsohar, Geschäftsführer der Analysefirma, ist die Steigerungsrate aber ein sehr brauchbarer Indikator für die Beitragssteigerung bei bereits bestehenden Privatversicherungen.

Eine Steigerung von sieben Prozent beim Neugeschäft sei „die bislang höchste ermittelte jährliche Branchensteigerung und verheißt für die Zukunft nichts Gutes“, sagte Zsohar. Die PKV müsse ihre Kosten endlich in den Griff bekommen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Steigerung der Beiträge über die vergangenen zehn Jahre betrug knapp fünf Prozent.

Grundlage für die Berechnung von Morgen & Morgen sind mehr als 3.000 Tarife für private Krankenvollversicherungen. Die stärkste Steigerung, die von den Experten ermittelt wurde, beträgt für Männer fast 34 Prozent, für Frauen sind es fast 23 Prozent. Beitragssenkungen gab es auch, allerdings nur im Umfang von bis zu sechs Prozent.

Ein Sprecher des Verbands der privaten Krankenversicherungen wollte die Berechnungen nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass viele Kunden lange keine Beitragserhöhung bekommen hätten. Ab einem bestimmten Grad der Kostensteigerung seien die Versicherer gesetzlich gezwungen zu erhöhen.

Für die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Kassen erhöht die Bundesregierung den Einheitsbeitrag ab Januar von 14,9 auf 15,5 Prozent. Damit erhalten die Krankenkassen rund sechs Milliarden Euro mehr Geld. Weitere fünf Milliarden sollen durch Einsparungen erzielt werden.

29.12.2010 © dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

Weitere Meldungen

Bauwirtschaft Tarifverhandlungen werden vertagt

Die Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen für die rund 890.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe wurden vertagt. In der rund 10stündigen Verhandlung ist es unter anderem gelungen, sich auf einen Fahrplan für die weiteren Verhandlungen zu verständigen. ...

Thomas-Cook-Pleite Staat kommt billiger davon als gedacht

Die Entschädigungen für Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook kosten den Staat deutlich weniger als erwartet. Statt der von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) geschätzten 225 Millionen Euro hat das Thomas Cook Bundportal, das für die ...

Bauernprotest droht Abschlussbericht erzürnt Landwirte

ZDK Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 ist der falsche Weg

E-Fahrzeuge ZDK begrüßt Verlängerung der Innovationsprämie

DB Cargo-Chefin Nikutta China-Geschäft boomt wie nie

Willkommen im Club! Die Zusatzangebote der großen Online-Shops

Gewerkschaft Deutscher Lokführer GDL-Chef Weselsky für Personalabbau bei der Bahn

Hartges „Das ist kein Öffnungs-, sondern ein Schließungsplan“

Nachtzug-Geschäft Deutsche Bahn kauft keine neuen Schlafwagen

Autoexperte Das Apple-Auto wird es nicht geben

Corona-Pandemie Krankenhausärzte warnen vor Kliniksterben

Bericht Beschwerden über Airlines erreichen Rekordniveau

Schleppende Versorgung Wachsende Kritik an Corona-Impfstoffherstellern

Handelsverband Lockdown „Katastrophe“ für den niedersächsischen Handel

Corona-Pleiten 60 Prozent mehr Insolvenzgeld überwiesen als im Vorjahreszeitraum

Nah- und Fernverkehr Mehr als ein Drittel aller Bahnsteige der Bahn nicht barrierefrei

Coronavirus GDL-Chef Weselsky fordert Impfvorrang für Bahnbeschäftigte

SPD Fraktionschef fordert Staatseinstieg bei Thyssenkrupp

Gastronomie Aus Novemberhilfen müssen Winterhilfen werden

« Vorheriger ArtikelNächster Artikel »