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21.06.2009

Präsentismus – krank, aber dennoch im Büro

(openPR) – Laut Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums fehlten Arbeitnehmer im ersten Quartal dieses Jahres durchschnittlich nur 3,26% oder 1,8 Tage ihrer Sollarbeitszeit. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Krankenstand um ca. 5% gesunken. Wir sprechen über den historisch niedrigsten Stand überhaupt. Arbeitnehmer melden sich so selten wie nie zuvor krank. Laut dem Bundesverband für Betriebskrankenkassen habe sich der Krankenstand bei allen Krankheitsarten seit Beginn der 90-er Jahre sogar halbiert. Die einzige Kategorie mit zunehmender Anzahl an Betroffenen sei die der psychischen Erkrankungen. Auffällig sei auch, dass die meisten Fehlzeiten auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückgingen.

Bedeutet dies nun, dass die Menschen so gesund sind wie nie zuvor? Dem Sozialforscher Stephan Voswinkel von der Universität Frankfurt zufolge, ist dies ganz und gar nicht der Fall. Gerade in Zeiten der Rezession wächst der berufliche Druck auf den Arbeitnehmer in hohem Maße, so dass gesundheitliche Probleme vernachlässigt und unterdrückt werden. Hierbei spielt eine sehr große Rolle, dass die Eigenverantwortung einzelner Mitarbeiter und die Menge an zu bewältigenden Aufgaben in immer kürzerer Zeit zunehmend größer wird. Besonders hoch motivierte, leistungsorientierte Mitarbeiter sind betroffen und ent-wickeln eine regelrechte Arbeitssucht.

Aus Angst vor einer Kündigung wird der persönlichen Gesundheit derzeit immer weniger Bedeutung zugemessen. Was Arbeitnehmer meist jedoch nicht bedenken, sind gesundheit-liche oder körperliche Langzeitschäden wie chronische Erkrankungen, die aus einem sol-chen Verhalten resultieren. Ebenso haben US-Studien ergeben, dass die eingeschränkte Schaffenskraft eines Mitarbeiters im kranken Zustand für dreifach höhere Produktivitäts-verluste sorgt, als es Fehltage würden.

Betriebswirtschaftlich gesehen hat dieser von Arbeitsmedizinern „Präsentismus“ genannte Trend viele negative Auswirkungen. Laut Hans Drexler von der Universität Erlangen braucht ein gesundes Unternehmen auch einen gesunden Krankenstand. Auch mo-ralisch betrachtet wäre es dem Betriebsklima zuträglich, dem erkrankten Mitarbeiter eine „Erholungspause“ zu gönnen, ohne dass er in Missgunst fällt.

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