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Noch lange nicht über den Berg

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29.03.2012

Praktiker Noch lange nicht über den Berg

Vorstand ringt um Finanzierung von 300 Millionen Euro für Sanierung.

Hamburg – Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker kämpft ums Überleben. Die ehemalige Metro-Tochter fährt nach einem Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro im Vorjahr auch 2012 rote Zahlen ein. „Wir werden 2012 einen Verlust schreiben“, sagte Finanzvorstand Markus Schürholz am Donnerstag in Hamburg bei der Bilanzvorstellung. Der Konzern sei ein „Sanierungsfall“, fügte der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Fox hinzu.

Die Firmenleitung ringt zurzeit um die Finanzierung von 300 Millionen Euro für die Sanierung des Unternehmens. Falls die Manager das Geld nicht auftreiben können, droht dem Konzern das Aus. Im Geschäftsbericht heißt es, im ungünstigsten Fall könne es sein, „dass der Vorstand keine positive Fortführungsprognose mehr stellen kann“.

Vorstandsmitglied Josef Schultheis nannte als Möglichkeit zur Finanzierung Wandelanleihen, Kredite, Anteilsverkäufe oder eine Eigenkapitalerhöhung. Praktiker ist bereit, die sehr erfolgreiche Hamburger Tochter Max Bahr für einen Kredit zu verpfänden. Auch den Verkauf von Auslandstöchtern schloss Fox nicht aus.

Für das laufende Jahr rechnet Praktiker mit Sonderkosten etwa für Personalabbau oder Marktschließungen von 100 Millionen Euro. Der Umsatz soll um ein bis zwei Prozent steigen. „Spätestens 2013“ will Praktiker wieder einen Gewinn vor Steuern ausweisen, 2014 will Fox die Sanierung abgeschlossen haben und unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben.

Der Umsatz fiel 2011 um zehn Prozent auf 894 Millionen Euro, vor allem weil Praktiker die Rabattaktion „20 Prozent auf alles“ aufgab. Das Nettoergebnis fiel von einem Verlust von 34 Millionen Euro 2010 auf einen Verlust von 555 Millionen Euro 2011. Der Konzern mit 330 deutschen Märkten hatte Warenvorräte abgewertet und Firmenwerte herabgesetzt.

Praktiker kündigte den Abbau von 1.400 Stellen an und will 30 Filialen schließen. Möglicherweise müssen mehr Märkte dicht machen, wenn die Vermieter die Mieten nicht senken, wie Fox sagte. Das Unternehmen verlegt zurzeit seinen Firmensitz aus dem saarländischen Kirkel nach Hamburg. Die Manager verhandeln mit der Belegschaft über einen Beitrag zur Sanierung.

Fox setzt darauf, den Konzern neu auszurichten. Praktiker soll nicht allein auf Billigangebote setzen, sondern bietet in Zukunft drei Preisklassen an: billig, mittel und teure Markenware. Drei Märkte seien schon erfolgreich auf das neue Konzept umgestellt worden, 17 weitere würden zügig folgen. Die drei umgebauten Märkte seien bereits sehr erfolgreich, sagte Fox.

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