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Genossen übertrumpfen „radikale Minderheit CSU

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13.02.2013

Politischer Aschermittwoch Genossen übertrumpfen „radikale Minderheit“ CSU

SPD ergötzt sich an der Größe ihrer Kundgebung.

Vilshofen – Groß, größer, SPD. Die zentrale sozialdemokratische Botschaft dieses Politischen Aschermittwochs ist so einfach wie verständlich: Die Zeiten, in denen der „größte Stammtisch der Welt“ fest in der Hand der CSU in Passau war, sind vorbei – jetzt ist die SPD ganz vorn. Eine Botschaft, die die SPD-Redner mehr als ein halbes Dutzend Mal vom Podium in das Festzelt auf dem Volksfestplatz des niederbayerischen Vilshofen rufen – was die Brust der über Jahrzehnte so arg gebeutelten bayerischen Genossen vor Stolz schwellen lässt.

Schon im vergangenen Jahr waren die Sozialdemokraten mit ihrer Kundgebung aus dem Wolferstetter Keller in ein viel größeres Bierzelt umgezogen. Im Wahljahr ließ die SPD-Geschäftsstelle ein noch größeres Zelt aufstellen, das Platz für 5.000 Menschen bietet – und ist sich sicher, diese Besucherzahl auch erreicht zu haben. Die CSU dagegen, das haben die Genossen eifrig recherchiert, darf in die Dreiländerhalle in Passau angeblich maximal 4.000 Menschen lassen.

Fünf Redner erklimmen nacheinander das Podium, um diese Botschaft zu verkünden. Nach dem örtlichen SPD-Chef Florian Gams („Wahnsinnskulisse“) begrüßt Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen die Menschen zur „größten politischen Aschermittwochveranstaltung, die Bayern je gesehen hat“. Nach ihr heißt der bayerische SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold zum „größten Politischen Aschermittwoch nicht nur in Bayern, sondern auch in ganz Deutschland“ Willkommen. Die CSU dagegen korrigiere ihre Zahl immer nach oben, sagt Pronold und beklagt „Schmutzeleien“: „Die lügen, dass sich die Balken biegen.“

Eine Premiere

Der SPD-Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl im Herbst, Christian Ude, räumt in seiner Rede zwar folgerichtig ein, dass es schon gesagt worden sei. „Aber ich sag’s noch mal, weil ich es so gerne höre.“ Es sei eine Premiere, „dass der größte Politische Aschermittwoch von der Bayern-SPD gefeiert wird“.

Der SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Peer Steinbrück, formuliert es spöttischer: Wenn die CSU in Passau verkünde, 6.000 Menschen in der Halle zu haben, dann sage er: „Hier sitzen 10.000 Leute!“ Und er fügt hinzu: „Im Vergleich zu Vilshofen sitzt da eine kleine radikale Minderheit in Passau, mehr nicht.“

Nur zu gerne wollen die Genossen die Größe ihrer Kundgebung als Signal und Omen für den Wahlkampf und die Wahlen im Herbst verstanden wissen. Ude und Steinbrück schwören die Genossen auf einen Regierungswechsel im Bund und in Bayern im September ein – und nutzen ihre Reden für deftige Sprüche und scharfe Attacken auf die schwarz-gelben Regierungen in Berlin und München.

„Wir können es besser“

Während Ude eine etwas langatmige Kostprobe seines kabarettistischen Talents gibt und eine Sitzung der CSU-Spitze parodiert, demonstriert Steinbrück seine Fähigkeiten als Bierzeltredner: In bester Aschermittwochsmanier zieht er über das halbe Bundeskabinett her, verspottet Außenminister Guido Westerwelle als „Dekadenzexperten“ und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen als „Talkshow-Queen“. Das Weltbild von Familienministerin Kristina Schröder liege „irgendwo zwischen Helmut-Kohl-Postern und einem Barbie-Puppenhaus“ und Entwcklungsminister Dirk Niebel habe das Ressort übernommen, das er eigentlich abschaffen wollte. Die bayerischen Redner wiederum verhöhnen Ministerpräsident Horst Seehofer als Wendehals und „Drehhofer“.

Steinbrück verweist auf die jüngsten Wahlerfolge der SPD bei Landtags- und Oberbürgermeisterwahlen und diagnostiziert, die Union sei nervös und in Schockstarre: „Sie wissen, wir können sie packen – und wir werden es mit Eurer Unterstützung packen.“ Und Ude ruft unter großem Jubel in die Menge: „Wir können es besser!“

So groß das SPD-Zelt in diesem Jahr auch ist – die Genossen träumen bereits von weiteren Superlativen. „Beim nächsten Politischen Aschermittwoch werden wir ein noch größeres Zelt aufstellen“, prophezeit Landeschef Pronold, „denn die Hauptredner werden der bayerische Ministerpräsident Christian Ude und der Bundeskanzler Peer Steinbrück sein.“

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