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Brüderle bei Freunden im „Land der Dirndl

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13.02.2013

Politischer Aschermittwoch Brüderle bei Freunden im „Land der Dirndl“

Gelöst wirkender Spitzenkandidat erhält Rückendeckung.

Dingolfing – Tapfer lächelt Rainer Brüderle in die Menschenmenge, während die Fernsehkamera wenige Zentimeter vor seinem Gesicht jede Regung einfängt. Alle Augen sind an diesem Aschermittwoch der bayerischen FDP auf den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gerichtet, der es zuletzt vor allem wegen Sexismus-Vorwürfen in die Schlagzeilen schaffte. Die Stadthalle im niederbayerischen Dingolfing ist an diesem Tag ein Ort, an dem Brüderle Rückendeckung findet – und Zuspruch.

Von dem „grauen Geist“, den der „Spiegel“ kürzlich noch in dem politisch angeschlagenen Brüderle sah, wollen die rund 350 Gäste nichts wissen. Minuten dauert der Applaus beim Einzug Brüderles zum Defiliermarsch der Blaskapelle. Der warme Empfang tut Brüderle sichtlich gut. Gelöst tritt der FDP-Fraktionschef im Bundestag ans Rednerpult. Dort findet er zu alter Stammtischstärke zurück und geizt nicht mit deftigen Sprüchen.

Die parallel stattfindende Kundgebung der SPD in Vilshofen kanzelt Brüderle als Langweilerveranstaltung ab und lästert: „Willst du Öde in der Bude hol dir Steinbrück, Pronold und Ude.“ Über die angeblich schlechten Geografiekenntnisse des SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Christian Ude, spöttelt er, der Münchner Oberbürgermeister halte die Zugspitze wahrscheinlich für die neueste technische Errungenschaft der Deutschen Bahn. Die Leute im Saal jubeln.

Dirndl und Denker

Die Bedienungen servieren eifrig Weißwürste mit Brezn. Im Saal sitzen etliche Frauen mit Dirndl. Die Tracht ist das Symbol für den Skandal um Brüderle. Der FDP-Politiker soll am Rande des Dreikönigstreffens im vergangenen Jahr an einer Hotelbar anzügliche Bemerkungen zu einer Journalistin gemacht haben. Als die Frau unlängst darüber berichtete, brach ein Sturm der Empörung los und eine heftige Debatte über alltäglichen Sexismus. Brüderle selbst spart an diesem Aschermittwoch das böse „D-Wort“ sicherheitshalber aus.

In Dingolfing sind die Anspielungen jedoch allgegenwärtig. So heißt der bayerische Wirtschaftsminister und Vizeministerpräsident Martin Zeil seinen Parteifreund aus Berlin unter tosendem Applaus im „Land der Dirndl und Denker“ willkommen und stärkt ihm sogleich den Rücken. „Du magst die Menschen und du lässt dir von nichts und niemandem deine natürliche Fröhlichkeit nehmen“, richtete er das Wort an Brüderle. „Deshalb mögen dich die Menschen“ und „wir Bayern mögen solche Mannsbilder in der Politik“. Bayerns FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger begrüßt Brüderle unter „Freunden“ in Bayern, „die dich unterstützen, gegen Freund und Feind“.

Etliche weibliche Zuhörer lassen ihr Outfit sprechen. So betont die Landtagsabgeordnete Julika Sandt, ihr türkis-rosa Dirndl sei „heute auch ein Statement“. Die Sexismusdebatte sei doch „völlig an den Haaren herbeigezogen“. Ein älterer Liberaler, der für sich reklamiert, die Etikette zu beherrschen, findet es „das Normalste der Welt, einer hübschen Frau zu sagen, dass sie hübsch ist“.

Selbstherrliches Getue

Die Dirndl-Debatte hat der FDP zuletzt im Wahlkampf nicht eben genutzt. Die Europaabgeordnete Nadja Hirsch, ebenfalls im Dirndl, geht gleichwohl nicht davon aus, dass die Partei bei den Wahlen im Herbst in Bayern und im Bund abstürzen wird. Ohnehin überwiegt an diesem Tag bei der FDP in Dingolfing der Optimismus – obwohl die kleine Regierungspartei in Bayern seit Monaten in Umfragen bei drei Prozent verharrt und damit klar den Wiedereinzug in den Münchner Landtag verpassen würde.

Das Credo lautet: „Wir gewinnen nicht Umfragen, wir gewinnen Wahlen.“ Zeil stellt noch einmal klar, wie aus Sicht der FDP ein Bayern mit einer CSU-Alleinregierung ohne die Liberalen aussehen würde: „Wenn die wieder allein das Sagen haben, fangen die wieder an mit ihrem selbstherrlichen Getue und ihrer bürgerfremden Machthaberei. Dann müssen wir nach Jahren wieder kommen und alles ausmisten und aufräumen, wie wir das jetzt fünf Jahre lang gemacht haben.“ Sicherheitshalber gibt Brüderle dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) noch schnell ein Treueversprechen und verkündet: „Horst, fürchte dich nicht! Die FDP lässt dich nicht allein. Heute nicht und alle Tage nicht.“

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