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“Political Net Activists” – Grüne sind Volkspartei des Internets

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25.06.2011

Political Net Activists “Political Net Activists” – Grüne sind Volkspartei des Internets

Berlin – Die Unionsparteien CDU und CSU haben es bislang nicht geschafft, ihre Anhänger im Internet zu mobilisieren. Einziger Trost: Auch die SPD macht es nicht besser. Die wahre Volkspartei im Internet sind heute die Grünen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Allensbach-Instituts im Auftrag des IT-Dienstleisters Infosys, über die die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet. Unter den Bürgern, die sich als „Political Net Activists“ im Internet aktiv an politischen Meinungsprozessen beteiligen, fühlen sich demnach 37 Prozent der Partei Bündnis 90/Die Grünen am nächsten. CDU/CSU kommen nur auf 25 Prozent, knapp vor der SPD mit 24 Prozent. „Für die Koalitionsparteien ist das eine Herausforderung, ihre Sympathisanten sind im Netz unterrepräsentiert“, sagte Allensbach-Chefin Renate Köcher der „Welt“.

Insgesamt zehn Prozent der Bevölkerung gehören der Studie zufolge zu den „Political Net Activists“, die sich überdurchschnittlich stark aus den höheren Bildungs- und Einkommensschichten rekrutieren und überwiegend männlich sind – Tendenz stark steigend. Das politische Engagement im Internet sei aber vor allem eine Generationsfrage. Mehr als jeder fünfte der unter 30-Jährigen zähle zu den politisch Aktiven, bei den über 60-Jährigen sei es nur jeder fünfzigste. Wer sich im Internet politisch betätige, mache dies auch überdurchschnittlich bei Demonstrationen oder Unterschriftenaktionen.

Das spiegele sich auch in ihrer Grundeinstellung wieder: Während ein Drittel der Bevölkerung überzeugt sei, dass sich mit politischem Engagement auch etwas bewirken lasse, sei das Verhältnis bei den im Netz politisch Aktiven doppelt so hoch. Die zunehmende Nutzung des Internets erhöhe somit den Druck auf die Politik, zumal der Wunsch nach mehr Transparenz gerade bei den Internet-Nutzern groß sei. Deutlich wurde das bereits bei der Veröffentlichung von Geheimdokumenten aus dem Irak-Krieg und vertraulichen Berichten des amerikanischen Außenministeriums durch Wikileaks. Fast jeder zweite Bürger begrüße die Veröffentlichungen, bei den politisch Aktiven seien es sogar zwei Drittel, schreibt die Zeitung. Allerdings schrecke die Mehrheit davor zurück, alle politischen Informationen öffentlich zugänglich zu machen, nur gut ein Viertel der Bürger plädiere dafür.

Bei Bürgern unter 30 Jahren sei das Internet inzwischen das wichtigste Medium, wenn es darum geht, gezielt nach Informationen zu suchen. Im Bevölkerungsdurchschnitt übernehme das Fernsehen bei 63 Prozent der Bürger immer noch die Hauptfunktion des Informationslieferanten, allerdings bereits dicht gefolgt vom Internet. An dritter und vierter Stelle folgten Zeitungen und Zeitschriften. Grundsätzlich gelte allerdings, dass Internetnutzer weniger Ritualen folgen und sich beispielsweise täglich die gleiche Nachrichtensendung ansehen, sondern sehr stark interessens- und ereignisgetrieben Informationen abrufen. Geht es also nicht um die gezielte Informationen und Ereignisse, liegt das Fernsehen noch weit vorn. Selbst in der internetaffinen jungen Generation informiert sich im Durchschnitt jeder zweite über das aktuelle Geschehen im Fernsehen, nur jeder fünfte im Internet. Die zeitunabhängige Verfügbarkeit von Information im Internet vermindert aber das Bedürfnis, jederzeit auf allen möglichen Feldern auf dem Laufenden zu sein.

„Das Spektrum der Interessen bei den unter 30-Jährigen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verengt“, sagt Allensbach-Chefin Köcher. In dieser Gruppe habe sich der Anteil derjenigen stetig vermindert, der sich für Politik, Wirtschaft und kulturelle Themen interessiert und über das aktuelle Geschehen informiert sein wolle. „Es ist heute weitaus schwerer, gerade Jüngere mit Informationen zu erreichen, die außerhalb ihres Interessensspektrums liegen“, heißt es in der Studie. Wenn Informationsströme kaum noch zu kanalisieren sind, hat das auch Auswirkungen auf die Politik. „Es wird immer schwieriger, Meinungsbildungsprozesse zu beeinflussen“, sagte Köcher der Zeitung. Mit einem Sitz im Fernsehrat sei das heute jedenfalls weniger denn je zu erreichen.

Die Studie zeigt auch, dass der digitale Graben nicht mehr nur zwischen Onlinern und Offlinern verläuft. Vielmehr gebe es einen Teil der Bevölkerung, der immer besser informiert sei. Und einen anderen Teil, der „mit der Informationsflut nicht mehr klarkommt und sich immer mehr auf Unterhaltung zurückzieht“. Dieser Graben werde nicht verschwinden, sagt die Allensbach-Chefin. Wichtig sei daher eine konsequente Medienerziehung, die bereits bei Kindern im zweiten oder dritten Schuljahr beginnen sollte. „Sonst wird es eine immer stärkere Spaltung im Informationsstand und in der Befähigung zur Meinungsbildung geben.“

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