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Proteste gegen Erhöhung des Renteneintrittsalters

© AP, dapd

30.03.2012

Polen Proteste gegen Erhöhung des Renteneintrittsalters

Polen sollen nach dem Willen von Ministerpräsident Tusk bis 67 arbeiten.

Warschau – Tausende von Polen haben am Freitag vor dem Parlament in Warschau gegen die von der Regierung geplante Rentenreform protestiert. Die Demonstranten waren aus allen Landesteilen in die Hauptstadt gereist, um ihrem Unmut über die geplante Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre Luft zu machen. Die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk erhofft sich von der Reform einen Abbau des Schuldenberges.

Während die Abgeordneten über einen von Anhängern der Gewerkschaft Solidarnosc eingebrachten Antrag auf ein Referendum über die Rentenreform debattierten, protestierte die Menge vor dem Parlament lautstark gegen eine längere Lebensarbeitszeit. In Polen gehen Frauen bislang mit 60 und Männer mit 65 Jahren in Rente.

Die Zwei-Parteien-Koalition war in der Frage der Rentenreform tief zerstritten. Am Donnerstag wurde jedoch ein Kompromiss erzielt, wonach Frauen künftig ab 62 und Männer ab 65 Jahren in Teilzeitrente gehen dürfen, ihr monatlicher Rentenanspruch dann aber sinkt.

Die Rentenreform wird von vielen Volkswirten gutgeheißen, nicht aber von der Öffentlichkeit. Besonders die Gewerkschaften sind unzufrieden mit dem Kompromiss der Koalitionspartner. Solidarnosc-Chef Piotr Duda sagte, die Rentenreform gebe den Polen die Wahl „zwischen Arbeiten bis zum Umfallen oder einem schnellen Hungertod“.

Ähnlich sahen das die trötenden und rot-weiße Flaggen der Bewegung schwenkenden Demonstranten. „Die Menschen sind nicht stark genug, um wie Maschinen zu arbeiten; 48 Jahre, das ist körperlich nicht machbar“, sagte ein 40-jähriger Bergbauarbeiter aus Zory (Sohrau) im Süden des Landes. Tusk arbeite am Schreibtisch und werde das nie verstehen. „Ich bin hier, um das Volk zu verteidigen“, erklärte er.

Eine 50-jährige Köchin aus Zabrze (Hindenburg) erklärte, sie glaube nicht, dass ihre Rente sich bei längerer Lebensarbeitszeit nennenswert verbessere oder sie davon profitieren werde.

„Das ist ein Witz, dieser Plan, und ich will nicht länger arbeiten“, sagte sie. „Mein Vater hat noch nicht einmal bis zu seiner Rente (mit 65) gelebt.“

Etwa 1,4 Millionen Solidarnosc-Anhänger unterzeichneten einen Antrag auf eine Volksbefragung über die geplante Rentenreform.

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