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Ungarischer Präsident erklärt seinen Rücktritt

© AP, dapd

02.04.2012

Plagiats-Affäre Ungarischer Präsident erklärt seinen Rücktritt

Doktorarbeit von Pal Schmitt über Olympische Spiele war in großen Teilen abgeschrieben.

Budapest – Vor einer Woche wurde ihm der Doktortitel entzogen. Nun ist er auch das Präsidentenamt los. Als Konsequenz aus einem Plagiatsskandal erklärte das ungarische Staatsoberhaupt Pal Schmitt am Montag seinen Rücktritt. Dem 69-jährigen früheren Leistungssportler droht zudem ein weiterer Rückschlag. Nach zwei Goldmedaillen im Fechten ist Schmitt seit 1983 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Weil er seine Dissertation über die modernen Olympischen Spiele aber fast vollständig abgeschrieben hat, erscheint auch seine Eignung für dieses Amt höchst fraglich.

Er habe sich zum Rücktritt als ungarischer Präsident entschlossen, weil seine „persönliche Angelegenheit“ das Land spalte, sagte Schmitt am Montag zu Beginn der Parlamentssitzung. Ermittlungen der Budapester Semmelweis-Universität hatten ergeben, dass etwa 200 der 215 Seiten seiner Doktorarbeit weitgehend von zwei anderen Autoren abgeschrieben waren. Der im Jahr 1992 erworbene Doktortitel wurde ihm in der vergangenen Woche entzogen.

Das ungarische Parlament nahm den Rücktritt Schmitts wenige Stunden später an. Für diesen Schritt stimmten am Nachmittag 338 Abgeordnete, fünf dagegen, sechs enthielten sich. Bis zur Wahl eines neuen Staatspräsidenten innerhalb von 30 Tagen übernimmt Parlamentspräsident Laszlo Köver das Amt.

Die Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán erklärte, sie wolle mit den vier anderen im Parlament vertretenen Parteien Gespräche zur Findung eines Nachfolgers aufnehmen. Schmitt war 2010 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt worden.

Das IOC kündigte unterdessen eine eigene Überprüfung der Plagiatsaffäre an. Das Komitee werde die entsprechenden Berichte anfordern, diese untersuchen und dann überlegen, ob irgendwelche Maßnahmen gegen das langjährige Mitglied zu treffen seien. Im Jahr 2001 hatte sich Schmitt – ohne Erfolg – auch um das Amt des IOC-Präsidenten beworben.

Der Rektor der Budapester Universität, Tivadar Tulassay, hatte im Zuge der Plagiatsaffäre bereits am Sonntag seinen Rücktritt angekündigt. Die Entscheidung der Hochschule, Schmitt dessen Doktortitel zu entziehen, habe zu einem Verlust von Vertrauen in seine Person geführt, sagte Tulassay.

Als ungarischer Präsident galt Schmitt von Beginn an als Kandidat der regierenden Fidesz-Partei. Die neue Verfassung und die umstrittenen Gesetze der Regierung, die auch im Ausland als Einschränkung demokratischer Prinzipien wie der Pressefreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz kritisiert wurden, unterzeichnete er wie erwartet.

Fünf Jahre hätte Schmitt das oberste Amt im Staat innehaben sollen. Nach seiner Wahl im Juni 2010 hat er nicht einmal die Halbzeit erreicht. Nach der Aufdeckung des Plagiatsskandals durch die Internetplattform HVG.hu hielt der 69-Jährige zunächst an seinem Amt fest. Noch am Sonntag versicherte er im Radio, er werde nicht zurücktreten. Am Ende wurde der Druck – von ungarischen Intellektuellen und selbst von regierungsnahen Medien – dann aber offenbar doch zu groß.

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