Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Politik - newsburger.de

27.11.2010

Teilrückzug der Bundeswehr aus Afghanistan schon im Jahr 2011

Kabul – Die Isaf-Militärführung in Kabul will die schrittweise Übergabe der Verantwortung an die afghanische Armee und Polizei schwerpunktmäßig im Regionalkommando Nord beginnen, das von der Bundeswehr geführt wird. US-General David Petraeus, Oberkommandeur der Isaf-Truppen, benennt in einem geheimen Plan für die sogenannte Transition dazu drei Provinzen aus diesem Gebiet. Dies berichtet der „Spiegel“. Kurz vor dem Nato-Gipfel in Lissabon legten Petraeus und der zivile Repräsentant der Nato in Kabul den Regierungen der Allianz einen 20-seitigen „Campaign Report“ vor:

Demnach seien die Provinzen Sar-i-Pol, Samangan und Badakhshan im Norden schon in den kommenden sechs Monaten übergabereif. Trotz einer Verschlechterung der Sicherheitslage in zehn Distrikten anderer Nordprovinzen sei grundsätzlich das gesamte Regional Command North in den nächsten 24 Monaten für den Start des Prozesses bereit – und mithin der langsame Rückzug der internationalen Einheiten möglich. Werden die Pläne von der afghanischen Regierung gebilligt, könnte die Übergabe in der Bundeswehr-Region schon im Frühjahr 2011 beginnen. In Faizabad, der Provinzhauptstadt von Badakhshan, betreibt die Bundeswehr ein Feldlager für maximal 500 Soldaten.

Die Bundesregierung begrüßt die Pläne von Petraeus. Die Militärs aber warnen in einer internen Bewertung, der Start der Überantwortung führe „nicht unmittelbar zur Reduzierung der Isaf-Truppen“. Sie erlaube nur „perspektivisch den Einstieg in eine Ausdünnung“. Petraeus betonte bei seinen Gesprächen in Berlin vorige Woche, dass er frei werdende Nato-Kräfte fallweise in anderen Regionen des Landes „re investieren“ wolle. Außenminister Guido Westerwelle hatte auf dem Nato-Gipfel die Absicht bekräftigt, das deutsche Kontingent von derzeit maximal 5000 Soldaten plus einer flexiblen Reserve von 350 Mann ab 2012 zu reduzieren.

Derweil scheitert der Einsatz der fliegenden Awacs-Radarstationen zur Überwachung des afghanischen Luftraums wohl am Veto der Bundesregierung. Ab Februar 2011 wollte das Nato-Hauptquartier dazu bis zu hundert deutsche Soldaten einsetzen, die von dem türkischen Stützpunkt Konya gen Afghanistan starten sollten. Berlin hingegen fürchtet, die neue Awacs-Mission sei in der Heimat politisch schwer durchzusetzen, vermutlich wäre dazu ein neues Bundestagsmandat nötig. Sehr zum Unwillen der Nato stellt die ablehnende Haltung Deutschlands die gesamte Mission in Frage. Ohne die deutsche Beteiligung sei der Einsatz „nicht dauerhaft durchhaltefähig“, so eine Analyse aus dem Verteidigungsministerium.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/petraeus-teilrueckzug-der-bundeswehr-aus-afghanistan-schon-2011-17439.html

Weitere Nachrichten

Mahmur Flüchtlingsanlage

© homeros / 123RF Lizenzfreie Bilder

Ex-Lageso-Chef „Wir brauchen für jeden Flüchtling einen Lotsen“

Der ehemalige McKinsey-Berater und frühere Chef des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Sebastian Muschter, warnt vor einem Scheitern ...

NPD Kundgebung Wuerzburg

© Christian Horvat / CC BY-SA 3.0

NPD-Verbot Lammert begrüßt Bedeutung der Karlsruher Entscheidung

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die politische Bedeutung der Karlsruher NPD-Entscheidung hervorgehoben. "Ich begrüße, dass das ...

Barbara Hendricks Angela Merkel 2013

© Martin Rulsch / CC BY-SA 4.0

SPD Hendricks will Agrarsubventionen an Naturschutz koppeln

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat eine grundlegende Reform der bisherigen EU-Agrarsubventionen gefordert. Demnach sollen Landwirte künftig ...

Weitere Schlagzeilen