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Pechstein nimmt NADA unter Beschuss

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05.02.2012

Anti-Doping Agentur Pechstein nimmt NADA unter Beschuss

“NADA hat versagt” – Anti-Doping-Agentur nennt Pechstein-Ausführungen “bruchstückhaft”.

Düsseldorf – Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat sich mit heftigen Attacken gegen die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) in die Diskussionen über die vermeintliche Erfurter Blutdopingaffäre eingeschaltet. “Die ganze sogenannte ‘Causa Erfurt’ konnte in meinen Augen lediglich zu einem solch gewaltigen Thema hochstilisiert werden, weil die NADA versagt hat”, schrieb Pechstein, deren Name auch im Zusammenhang mit der Affäre von der ARD ins Spiel gebracht worden war, auf ihrer Internetseite.

Laut Pechstein habe die NADA Anfang Januar 2010 bereits eine Einschätzung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zur UV-Behandlung von Eigenblut erhalten, wonach es sich bei der seit Tagen viel diskutierten Methode nicht um Doping handele. Die WADA hatte Anfang 2011 “die sukzessive Entnahme, Manipulation und Reinfusion von Vollblut, ganz gleich welcher Menge, in das Kreislaufsystem” in ihrem Code als Dopingvergehen aufgenommen. 2012 wurde das Wort Reinfusion durch das allgemein gehaltene Wort Wiederzufuhr bzw. Reintroduktion ersetzt. Laut WADA-Code waren aber auch schon seit 2004 intravenöse Infusionen verboten, die nicht “im Zuge von Krankenhauseinweisungen oder klinischen Untersuchungen” verabreicht worden waren.

NADA nennt Pechstein-Anschuldigungen “bruchstückhaft”

Die NADA wies die Pechstein-Anschuldigungen zurück. “Die von ihr veröffentlichten Dokumente geben die ganze Kommunikation zwischen NADA und WADA nur bruchstückhaft wieder und provozieren damit bewusst Fehlinterpretationen”, sagte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann der Nachrichtenagentur dapd.

Pechstein bekräftigte ihre Anschuldigungen mit zwei E-Mails aus dem April 2011 von Olympia-Arzt Bernd Wohlfahrt an Justiziar und NADA-Vorstand Lars Mortsiefer sowie von Mortsiefer an WADA-Justiziar Julien Sieveking. Demnach habe Wohlfahrt ihm in der Mail vom 19. April 2011 daran erinnert, dass die Stellungnahme der WADA “recht eindeutig” sei und dass bei der UV-Behandlung “bei Blutmengen kleiner/gleich 50 ml aus ihrer Sicht kein Dopingvergehen” vorliege.

Auch führt die Eisschnellläuferin, die 2009 wegen erhöhter Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden war, eine weitere Mail von Mortsiefer an WADA-Justiziar Sieveking vom 25. April 2011 ins Feld, wonach er um eine genauere Einschätzung der Sachlage gebeten habe. “Wie blöd muss man sein, zu glauben, eine andere, neue Bewertung der UV-Behandlung könne tatsächlich dazu genutzt werden, den betroffenen Athleten einen Strick daraus zu drehen?”, fragte Pechstein und klagte die NADA an: “Ich behaupte ja bereits seit Jahren, dass es im Sport nicht nur einen Dopingsumpf, sondern auch einen Anti-Dopingsumpf gibt.”

Gotzmann: “Methode auch vor 2011 verboten”

Hintergrund sind die Doping-Ermittlungen gegen 30 Sportler, die offenbar bei Andreas Franke, dem früheren Arzt des Erfurter Olympiastützpunktes, ihr Blut mit UV-Strahlen behandeln ließen. Den Athleten wird vorgeworfen, damit gegen die Doping-Richtlinien verstoßen zu haben. Bei dieser Einschätzung scheiden sich jedoch die Geister, auch bei ausgewiesenen Anti-Doping-Experten.

“Unsere Gesamtauffassung ist, und die resultiert aus der gesamten Kommunikation mit der WADA, dass auch vor Januar 2011 die besagte Methode verboten gewesen ist”, ergänzte Gotzmann: “Letztendlich müssen wir sehen, wie in den laufenden Verfahren das Sportschiedsgericht entscheidet und ob es eben unserer Auffassung ist, dass es sich um verbotene Methoden handelt oder nicht.” Die Frage, die dann zu klären sein wird, ist, ob es sich bei der Anwendung lediglich wie von Franke behauptet, um eine Behandlung zur Gesunderhaltung oder doch um eine leistungsfördernde Maßnahme handelte.

Bislang hat die NADA zwei Verfahren gegen Eisschnellläuferin Judith Hesse und Radsportler Jakob Steigmiller eingeleitet. Im Fall Steigmiller soll die NADA eine einjährige Sperre fordern, wie dessen Manager Jörg Werner auf dapd-Anfrage bestätigte. “Selbst, wenn ein Fehler festgestellt wird, der gegen den Anti-Doping-Code verstößt, liegt beim Sportler kein Verschulden vor”, sagte Werner. Sein Fahrer habe sich beim Arzt erkundigt und ihm vertraut.

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