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Matthias Platzeck

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30.05.2012

Matthias Platzeck Ossis streiten weniger gern als Wessis

Für „geistige Wandlungsprozesse“ seien 20 Jahre ein zu kurzer Zeitraum.

Potsdam – Nach Auffassung von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) streiten Ostdeutsche weniger gern als Westdeutsche. Er beobachte, „dass Ost und West sich in der Öffentlichkeit unterschiedlich kontrovers auseinandersetzen“, schreibt Platzeck in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“.

Als eine Ursache nennt er die „unterschiedliche Sozialisation“: Während das Leben im Westen auf Wettbewerb ausgerichtet und konfrontativ verlaufen sei, sei es in der DDR eher kooperativ gewesen. „So erzogen, ist man leiser, zurückhaltender, vermittelnder“, so Platzeck. Nach der Wende „wurde insbesondere ritualisierter politischer Streit im Osten als hinderliche Polemik empfunden. Vielleicht ist deshalb auch der Begriff `Streit` bei den meisten Ostdeutschen immer noch eher negativ besetzt.“

Vor diesem Hintergrund wünscht sich der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Frank Richter, mehr Streitlust im Osten. „Die Wertschätzung des politischen Streits ist im Osten nicht so stark ausgeprägt, wie ich mir das wünsche“, sagte der frühere Bürgerrechtler im „Zeit“-Interview. „Ich habe den Eindruck, dass politische Debatten in den alten Bundesländern viel selbstverständlicher geführt werden“, so Richter.

Für „geistige Wandlungsprozesse“ seien 20 Jahre ein zu kurzer Zeitraum. „Die DDR war als Konsensgesellschaft angelegt. Das heißt, dass der offen ausgetragene Streit nicht vorgesehen war“, sagte der Theologe. „Man darf nicht unterschätzen, wie stark und wie lange dieses erlernte Verhalten nachwirkt.“ Es gebe im Osten „das Defizit, dass man weniger bereit ist, die Zumutungen auszuhalten, die zur Demokratie gehören“. Um für Debatten zu werben, hat Sachsens Landeszentrale für politische Bildung das Jahresmotto „Lasst uns streiten!“ ausgerufen.

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