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Oscar-Preisträger und Video-Poet

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26.01.2012

Medien Oscar-Preisträger und Video-Poet

Ausstellung im ZKM zeigt Werke der Medienpioniere Zbigniew Rybczynski und Gábor Bódy.

Karlsruhe – Hinter der Filmtechnik, die im Kino begeistert, stecken immer kluge Entwickler. Zwei solche Köpfe stellt das ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe in einer Ausstellung vor, die am Freitagabend eröffnet wird. “The State Of Image – Der Stand der Bilder” heißt die Schau, die den Medienpionieren Zbigniew Rybczynski und Gábor Bódy gewidmet ist.

Bis zum 6. Mai zeigt das Medienmuseum des ZKM, was die beiden Visionäre in Sachen Film und Filmtechnik zauberten – und zwar, bevor Computer und digitale Technik Einzug hielten. “Wer nicht alle Filme und Videos von Zbigniew Rybczynski gesehen hat, weiß nicht, zu welchen Leistungen die Kunst des bewegten Bildes heute fähig ist”, sagt Peter Weibel, Vorstand des ZKM.

Nicht umsonst erhielt Rybczynski 1983 einen Oscar für seinen Kurzfilm “Tango”. Selbst heute wirkt dieser Film erstaunlich. Durch einen winzigen Raum bewegen sich immer mehr Menschen, wobei sich jeder einzelne Auftritt in einer Endlosschleife wiederholt. Mit moderner digitaler Technik sind solche Überschneidungen mühelos herzustellen. Aber der polnische Medienpionier arbeitete analog. Deshalb sind die ebenfalls ausgestellten Skizzen zu “Tango” mindestens genauso interessant wie der Film selbst. Die Skizzen verraten, wie minutiös Rybczynski planen und arbeiten musste, um diese Effekte zu erreichen.

“Was wir hier zeigen, ist in Deutschland einmalig”, sagt der Leiter des Medienmuseums, Bernhard Serexhe. Fast alle Filme und Originalskizzen von Rybczynski aus den 1970er und 1980er Jahren werden präsentiert. “Rybczynksi war einer der ersten, der in den 80er Jahren mit HDTV experimentierte. Damit ist er Vorläufer von Entwicklungen, die nach ihm stattfanden”, erläutert Serexhe die Bedeutung des Filmkünstlers.

Tatsächlich kann man Rybczynksi als Virtuosen bezeichnen. Zu dem Song “Imagine” von John Lennon packte er ein ganzes Menschenleben in einen einzigen, immer wiederkehrenden Raum, zusammengefasst auf die Länge des Songs von 4 Minuten und 20 Sekunden. Immer, wenn ein Protagonist durch eine Tür in den nächsten Raum geht, der doch wieder nur derselbe Raum ist, erreicht er eine neue Lebensstufe.

Der zweite Teil der Ausstellung ist dem früh verstorbenen ungarischen Medienpionier Gábor Bódy gewidmet. “Bódy gilt als Philosoph und Poet”, sagt Serexhe. In den ausgestellten Arbeiten des Ungars zeigt sich weniger technische Virtuosität als lyrische Empfindsamkeit. “Er hat Literatur in filmische Form gegossen”, fügt der Museumsleiter hinzu und verweist auf den Clip “Walzer”. Ausgangspunkt ist das gleichnamige Gedicht von Novalis über die Flüchtigkeit des Lebens. Bódy lässt den Text in einer sich drehenden Spirale Walzer tanzen. Junge Paare schweben im Walzertakt über das grüne Gras. Selbst der Tod schwingt das Tanzbein. “Diesen Clip hat Bódy im WDR-Studio in Köln gedreht”, berichtet Serexhe.

Beide Medienpioniere sind in den Westen emigriert. Rybczynksi lebt in den USA, Bódy unterrichtete bis zu seinem Tod 1985 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. “Bódy hatte viele Studenten, er brachte Menschen aus Ost und West zusammen”, erzählt Serexhe. Rybczynski allerdings hat Bódy zu Lebzeiten nie getroffen.

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