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22.08.2009

Studie Onlinespionage durch Chefs nimmt deutlich zu

„Im Netz nichts verloren haben Partyfotos.“

Chicago/Kiel – Zunehmend mehr Chefs spionieren Mitarbeiter und Jobanwärter über Social Networks aus. Im Zuge einer aktuellen Studie im Auftrag des US-Karriereportals CareerBuilder.com sagten 45 Prozent der befragten Arbeitgeber, sie würden soziale Netzwerke durchforsten, um Informationen zu Bewerbern zu erhalten. Das sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Damals hatte eine ähnliche Erhebung ergeben, dass 22 Prozent der Führungskräfte potenzielle Mitarbeiter vorab in Social Networks wie Facebook, MySpace oder LinkedIn auskundschaften.

Die meisten Jobanwärter achten nach wie vor nicht darauf, was oder wie viel sie von sich auf den Networking-Seiten preisgeben und sind sich offenbar nicht darüber bewusst, dass heikle Informationen oder Inhalte sich negativ auf den Beruf auswirken können. „Jeder, der ins Internet Informationen einstellt, muss wissen, dass diese Daten global und zweckungebunden sowie weitgehend unbefristet abgerufen und genutzt werden können“, mahnt Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Es gebe viele, die die nötige Vorsicht walten ließen. Aber genauso seien sich viele überhaupt nicht des gewaltigen Unterschieds im Klaren, der zwischen der analogen Welt mit seinen direkten sozialen Kontakten und der digitalen Welt des Internets bestehe.

Laut der Studie sagen inzwischen 35 Prozent der Chefs, sie hätten sich aufgrund des jeweiligen Contents auf den Profilseiten gegen einen bestimmten Kandidaten entschieden. Wie ebenfalls aus der Erhebung hervorgeht, ist Facebook derzeit das beliebteste Portal, auf dem die Chefs den Mitarbeitern oder künftigen Mitarbeitern hinterher schnüffeln. Dahinter folgen LinkedIn und MySpace. Auf Twitter recherchieren derzeit rund sieben Prozent der Arbeitgeber Informationen zu den Bewerbern bzw. folgen ihnen.

Mehr als die Hälfte der befragten Arbeitgeber sagten, sie hätten ihre Entscheidungen zur Einstellung oder Nicht-Einstellung einer Person insbesondere auf Grundlage der online gestellten Fotos gefällt. 44 Prozent zeigten sich grundsätzlich abgeschreckt von Hinweisen auf Alkohol- oder Drogenkonsum.

Bleibt die Frage, wo die Nutzer die Grenze ziehen sollten bzw. was vom Arbeitgeber bereits als unpassend empfunden werden kann. Eine allgemein gültige Antwort wird sich darauf schwer finden lassen, dennoch empfiehlt es sich im Zweifelsfall, die Privateinstellungen zu nutzen und Profile auf Networkingseiten nicht frei zugänglich zu machen. „Im Netz nichts verloren haben Partyfotos oder sonstige ungefilterte Sachen aus Freizeitaktivitäten. Umgekehrt sind Darstellungen von beruflichen Erfolgen oder von sozialem Engagement weniger ein Problem“, meint Weichert auf Nachfrage von pressetext.

Es beginne aber schon mit politischen Meinungsäußerungen, die man in späteren Jahren bereuen könne. „Aber auch kritische Äußerungen über aktuelle oder frühere Arbeitgeber oder bestimmte Unternehmen können einem gewaltig schaden.“

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