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Blick über Hongkong

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30.09.2014

Proteste in Hongkong Ökonom sieht Weltwirtschaft in Gefahr

„Die größte Gefahr liegt in einem Übergreifen der Protestwelle auf ganz China.“

Berlin – Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Dekabank, Ulrich Kater, können die Proteste im wichtigen Finanzzentrum Hongkong die Weltwirtschaft erschüttern, sofern auch China davon erfasst würde. „Die größte Gefahr liegt in einem Übergreifen der Protestwelle auf ganz China“, sagte Kater dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe). Die zunehmende wirtschaftliche Liberalisierung der letzten Jahrzehnte wirke sich auch auf die chinesische Gesellschaft aus. „Würde ganz China von ähnlichen oder sogar noch heftigeren Unruhen erfasst, hätte dies sicherlich negative Auswirkungen auf die chinesische und damit auf die Weltwirtschaft.“

Kater hält ein solches Szenario allerdings zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. „Hierzu ist die Attraktivität eines stärker demokratisch ausgerichteten politischen Systems in China zu gering“, sagte der Ökonom. Auch die Demonstrationen in Hongkong hält er für beherrschbar. „Die Proteste in Hongkong scheinen sich nahtlos einzufügen in eine unruhiger werdende Welt, die gerade in diesem Jahr von geopolitischen Ereignissen besonders erschüttert wird“, sagte Kater. „Allerdings glauben wir, dass die Demonstrationen zumindest in Hongkong etwas weniger militant ausfallen als an anderen Stellen der Welt.“

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. „Die Situation in Hongkong zeigt, wie fragil eine Marktwirtschaft in einem nicht-demokratischen politischen System sein kann“, sagte Fratzscher dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe). Die kommunistische Partei habe jedoch noch immer große Kontrolle in China. „Ich erwarte daher keine Verwerfungen in den Finanzmärkten oder der Wirtschaft Hongkongs.“

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, wies auf ein anderes Problem hin. „Für die Märkte kommt es am Ende viel mehr auf die Frage an, wie stark die seit einigen Monaten fallenden Immobilienpreise die Wirtschaft in China abkühlen werden. Denn der Immobiliensektor macht fast 20 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts aus“, sagte Krämer.

Außerdem nutzten die Regionalregierungen die riesigen Erlöse aus dem Verkauf des immer teuer werdenden Landes, um Infrastrukturinvestitionen zu finanzieren. „Kommt es zu einer Immobilienkrise, wäre dies nur noch eingeschränkt möglich und der Staat müsste seine Investitionen zurückfahren.“

Gleichwohl wiesen die Konjunkturrisiken in China „eindeutig nach unten“, fügte Krämer hinzu. „Das Wachstum sollte sich im kommenden Jahr auf für chinesische Verhältnisse geringe 6,5 Prozent abschwächen.“

Die Hongkong-Proteste sieht Krämer gelassen. „Aus Sicht der Märkte besteht das Risiko, dass die Proteste in Hongkong auf das chinesische Festland überschwappen und die chinesische Regierung destabilisieren“, sagte er. Aber das sei „recht unwahrscheinlich“. Denn anders als in Honkong habe Demokratie westlicher Prägung auf dem chinesischen Festland keine Tradition. „Außerdem hat sich der Lebensstandard der meisten Chinesen in den letzten Jahren deutlich verbessert“, so Krämer.

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