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Obama entsetzt über Tötung von 16 Zivilpersonen

© AP, dapd

12.03.2012

Afghanistan Obama entsetzt über Tötung von 16 Zivilpersonen

Opfer vor allem Frauen und Kinder – Westerwelle bestürzt.

Balandi – Das Weiße Haus hat schockiert auf die Tötung von 16 Zivilpersonen durch einen US-Soldaten in Afghanistan reagiert. US-Präsident Barack Obama sprach in einem Telefongespräch mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai von einer tragischen und erschreckenden Tat. Der Soldat erschoss laut Karsai am Sonntag in zwei Dörfern in der Nähe seines Stützpunkts im Süden des Landes 16 Menschen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Karsai sprach von einem Attentat, der „absichtlichen Tötung unschuldiger Zivilisten, für die es keine Vergebung geben kann“, und kündigte Ermittlungen an. Von den USA forderte er eine Erklärung.

Obama sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sagte zu, jedweden Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, wie das Weiße Haus mitteilte. Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte, er habe Karsai mitgeteilt, dass ein Verdächtiger in Haft sei.

„Rückschlag für Engagement der internationalen Gemeinschaft“

Bundesaußenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt auf die Tat. „Mein tief empfundenes Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer“, erklärte Westerwelle. Er mahnte zur Besonnenheit: „Es wäre noch eine Tragödie, wenn jetzt als Reaktion auf diese schreckliche Tat weitere Menschen zu Schaden kämen. Das ist ein Rückschlag für das große Engagement der internationalen Gemeinschaft.“

Zuletzt war es Ende Februar nach der Verbrennung von Koran-Büchern durch US-Soldaten in Afghanistan zu heftigen Protesten gegen die ausländischen Truppen im Land gekommen, bei denen rund 30 Menschen getötet wurden. Sechs US-Soldaten wurden danach von afghanischen Kollegen erschossen.

Bei der Tat am Sonntag in der Provinz Kandahar wurden fünf Menschen verwundet, darunter auch ein 15-jähriger Junge, der Karsai telefonisch berichtete, was passiert war, wie das Präsidialamt mitteilte. Er erzählte, wie der Soldat mitten in der Nacht in das Haus der Familie kam, die Familie aufweckte, und begann, sie zu erschießen.

Zwölf der Toten seien aus Balandi, sagte ein Landwirt, der alle elf Mitglieder seiner Familie verloren hatte, darunter auch Frauen und Kinder. Er selbst sei außerhalb der Ortschaft gewesen, als die Bluttat sich ereignet habe. Bei seiner Rückkehr habe er seine Familie erschossen und verbrannt aufgefunden. Einer seiner Nachbarn sei ebenfalls getötet worden.

„Dies ist eine unmenschliche und unislamische Tat“, sagte er. „In keiner Religion der Welt darf jemand Kinder und Frauen töten.“ Er und andere Dorfbewohner forderten, dass Karsai den amerikanischen Schützen bestrafe. „Ansonsten fällen wir die Entscheidung. Er sollte an uns ausgehändigt werden.“

Die vier Opfer in der Ortschaft Alkosai seien alle aus einer Familie, sagte eine Angehörige. „Keine Taliban waren hier. Es gab keine Schießerei“, sagte die Frau. „Wir wissen nicht, warum dieser ausländische Soldat hierherkam und unschuldige Familienmitglieder umbrachte. Entweder war er betrunken oder es machte ihm Spaß, Zivilpersonen zu töten.“

Die Taliban nannte die Tat jüngsten Beleg dafür, dass die internationalen Streitkräfte gegen das afghanische Volk arbeiteten. „Die sogenannten amerikanischen Friedenstruppen haben erneut ihren Blutdurst mit unschuldigen afghanischen Zivilpersonen in der Provinz Kandahar gestillt“, erklärten die Taliban auf einer von ihnen genutzten Website.

NATO entschuldigt sich

Die NATO entschuldigte sich für die Tat, bestätigte aber selbst nicht, dass es Tote gab. Stattdessen war von Berichten über Tote die Rede. Er äußere sein „tiefstes Bedauern“ über die Tat, die offenbar von einem Angehörigen der Koalitionsstreitkräfte begangenen worden sei, erklärte Generalleutnant Adrian Bradshaw, der stellvertretende Kommandeur der NATO-Truppen in Afghanistan. Er könne nicht erklären, was die Motive hinter diesen „gefühllosen Taten“ waren, aber sie hätten nichts mit den ISAF-Aktivitäten zu tun.

Der mutmaßliche Täter wurde nach NATO-Angaben festgenommen, die näheren Umstände des Vorfalls waren aber noch unklar. Die Verletzten würden in einem Lazarett der NATO behandelt, hieß es. Aus US-Kreisen verlautete, der Mann, ein Feldwebel, sei nach den Schüssen in den Stützpunkt zurückgekehrt und habe sich dort gestellt.

Karsais Erklärung nach der Tat sorgte zunächst für Verwirrung, da er an einer Stelle von einem US-Bewaffneten sprach, an anderer aber davon, dass „amerikanische Truppen“ in die Häuser eingedrungen seien.

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