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Norweger sollen Heroin rauchen dürfen

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05.03.2013

"Entkriminalisierung" Norweger sollen Heroin rauchen dürfen

Regierung will eine Entkriminalisierung des Rauschgifts.

Stockholm – In Norwegen sterben jedes Jahr mehr Menschen durch eine Überdosis an Drogen als durch Verkehrsunfälle. Im Jahr 2011 kamen 262 Menschen durch eine Überdosis ums Leben. Davon waren rund 30 Prozent Heroinfälle. Im gleichen Zeitraum gab es 168 Verkehrstote. Damit liege das Land mit seinen nur knapp fünf Millionen Einwohnern an der Spitze Europas, heißt es beim norwegischen Institut für Rauschmittelforschung. Zum Vergleich: In Deutschland mit seinen 81,9 Millionen Einwohnern starben 2011 laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen 986 Menschen an einer Überdosis.

Nun will die norwegische Regierung handeln. Der Gesundheitsminister Jonas Gahr Stoere schlägt vor, die Inhalation von Heroin entkriminalisieren. „Wir sollten den Leuten erlauben, Heroin zu rauchen, weil Spritzen gefährlicher sind“, sagte der Sozialdemokrat. Die Zahl tödlicher Überdosen sei „beschämend für Norwegen“. Es gehe nicht darum, Heroin zu legalisieren. Es gehe aber darum „realistisch“ zu sein, so der Minister in der Tageszeitung „Dagsavisen“.

In Norwegen wird das Spritzen von Heroin zwar noch immer grundsätzlich als illegal eingestuft, aber toleriert. So werden in der Hauptstadt Oslo bereits kommunale Injektionsstuben angeboten, damit Abhängige sich ihren Schuss unter besseren hygienischen Bedingungen und der Überwachung von medizinischem Notfallpersonal setzen können.

Das Rauchen von Heroin soll nun dem Spritzen gleichgestellt werden und in den Fixerstuben gestattet werden. Wenn das Parlament dem Plan zustimmt, dürfte die Einführung der Quasierlaubnis zum Heroinrauchen in Norwegen schon 2014 eingeführt werden.

Wirkung ungewiss

Im Rauschmittelforschungszentrum Sirus wird die Regierungsinitiative grundsätzlich begrüßt. „Es ist ja paradox, dass man Heroin an bestimmten Orten spritzen, aber nicht rauchen darf, obwohl letzteres weniger gefährlich ist“, sagte Sirus-Forschungsleiterin Astrid Skretting gegenüber „Dagsavisen“. Allerdings sei die Injektionskultur bei den Süchtigen so tief verankert, dass es nicht sicher sei, ob eine Entkriminalisierung des Heroinrauchens zu einer Verhaltensänderung führen wird.

Bei den Drogenabhängigen sind die Meinungen geteilt. Es sei ja ein Unding, dass man in den Fixerstuben nicht auch mal einfach das Zeug rauchen könne, so ein Heroinabhängiger in Oslo gegenüber dem öffentlich rechtlichen Rundfunks NRK. „Es werden auf jeden Fall beim Rauchen als mit der Nadel weniger sterben.“ Doch eine Abhängige, die Gratiszeitungen verteilt, lehnt die Entkriminalisierung ab: „Es ist unglaublich schwer, aus dem schweren Missbrauch rauszukommen. Deshalb sollte es so schwer wie möglich sein hineinzugelangen“, sagt sie NRK. Auch Petter, ebenfalls ein Heroinabhängiger, sieht das so. „Wenn du einmal an der Nadel bist, hat sie dich genauso am Haken wie das Dope selbst.“ Er glaubt nicht, wieder auf das Rauchen von Heroin umsteigen zu können. Schließlich wirke Heroin stärker, wenn man es sich spritze.

Konservative gegen Entkriminalisierung

Auch die Opposition lehnt den Vorstoß ab. „Ich bin frustriert darüber, dass der Gesundheitsminister vorschlägt, man solle mit den Drogenabhängigen experimentieren. Wir sollten lieber den zweitausend Abhängigen helfen, die derzeit auf einen Behandlungsplatz warten“, sagte Bent Höie, gesundheitspolitischer Sprecher der konservativen Oppositionspartei Höyre. „Norwegische Heroinabhängige sitzen zuhause und spritzen sich ihren Stoff. Ich habe es ein wenig schwer, mir vorzustellen, dass sie in ein kommunales Raucherzimmer gehen“, sagt der Oppositionspolitiker der „Dagsavisen“.

Der sozialliberalen Partei Venstre geht der Regierungsvorschlag hingegen nicht weit genug. Schwerstabhängige müssten Heroin unter ärztlicher Anleitung verschrieben bekommen, so deren Forderung.

In Norwegen gibt es rund 10.000 Heroinkonsumenten. Die Zahl der Rauschgifttoten ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Fünftel gesunken. Laut Drogenexperten liegt das daran, dass Entzugstherapien mit Heroinersatzstoffen und die Einrichtung von Fixerstuben den Abhängigen das Überleben erleichtern.

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