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Gedenkveranstaltung endet mit Eklat

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03.04.2012

Nordhausen Gedenkveranstaltung endet mit Eklat

Oberbürgermeisterin entfernte Gebinde – NPD-Stadtrat festgenommen.

Nordhausen – Nach der Niederlegung eines Kranzes der NPD bei der Gedenkfeier für die Opfer Bombardierung Nordhausens ist es zwischen Rechtsextremen und anderen Teilnehmern zu einem Handgemenge gekommen. Bei der Auseinandersetzung mit Vertretern linker Gruppierungen sowie der Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) wurde am Dienstag der NPD-Stadtrat Roy Elbert festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Gegen ihn wird nun unter anderem wegen versuchter Körperverletzung ermittelt. Rinke hatte ihn angezeigt. Die fünf anderen Fraktionen im Stadtrat verurteilten die NPD-Aktion.

Vertreter der Stadt sowie Mitglieder mehrerer Opfer-Verbände und Gruppierungen hatten zuvor an die rund 8.800 Opfer des Luftangriffs auf thüringische Stadt erinnert. Als sie zum Gedenken weiße Rosen niederlegten, beteiligte sich der Elbert mit einer roten Blume an der Aktion. An der Kranzniederlegung nahm die NPD dann mit einem eigenen Gebinde teil. Mehrerer Vertreter linker Gruppierungen hätten versucht, den NPD-Kranz mit bunten Regenschirmen abzudecken. Dann entschloss sich Rinke, ihn zu entfernen. Dabei sei es zu dem Gerangel gekommen und die Polizei schritt ein.

Rinke verteidigte die Aktion später. „Die Würde der Toten, um deren Willen wir uns schließlich versammelt hatten, die Würde der gesamten Veranstaltung war in Gefahr. Das war unakzeptabel“, sagte sie. Sie habe den NPD-Kranz zurückgeben wollen, um eine Eskalation der Situation zu verhindern. Daraufhin sei sie zuerst massiv verbal attackiert worden.

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus Nordhausen sprach von etwa 200 Teilnehmern bei der Gedenkveranstaltung. Aus den Reihen des rechten Spektrums seien etwa 30 Personen gekommen. Die „mutige Entscheidung“ Rinkes verdiene „höchsten Respekt“. Zugleich zeigten sich die Vertreter entsetzt über die Tätlichkeiten. Dass der NPD-Kreisvorsitzende Elbert die Oberbürgermeisterin „tätlich angriff und ihr gegenüber Drohungen geäußert wurden, zeigt die hohe Gewaltbereitschaft, die von dieser Partei und ihrem Umfeld ausgeht.“ Der Vorfall mache zudem deutlich, dass „Nordhausen ein Nazi-Problem hat, das nicht verharmlost und verschwiegen werden darf“.

Die Thüringer SPD sprach von einem Missbrauch des Gedenkens. Zugleich forderte sie angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen, den Rechtsextremen keine Stimme zu geben.

Die Mobile Beratung in Thüringen (Mobit) sagte, dass sich die Zivilgesellschaft „großartig verhalten“ und ein „deutliches Zeichen gegen die versuchte Vereinnahmung des Gedenkens durch der Neonazis gesetzt“ habe. Der Vorfall zeige einmal mehr, „dass der Kurs der NPD nach biederer lokalpolitischer Verankerung in Stadt- und Kreisparlamenten reine Fassade ist“.

Elbert erklärte indes, dass sich Rinke ihm in den Weg gestellt habe, als er bei einem Polizisten Anzeige gegen sie stellen wollte. Der Vorwurf des tätlichen Angriffs sei vollkommen haltlos. Als der Beamte ihn abdrängen wollte, sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen. Dann hätten sich mehrere Polizisten auf ihn gestürzt. Weiter sagte er, dass er sich nicht vorschreiben lassen wolle, wie und welcher Opfer gedacht werde.

Am 3. und 4. April 1945 war Nordhausen bombardiert worden. Mehrere Tausend Menschen verloren ihr Leben. Bei der Veranstaltung am Dienstag sollte auch des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gedacht werden. Dabei sollten die weißen Rosen nach Stadtangaben an die gleichnamige Widerstandsgruppe um Hans und Sophie Scholl erinnern. Beide waren 1943 hingerichtet worden.

Laut Polizei legte die NPD ihren Kranz später auf dem Friedhof an einer anderen Gedenkstelle ab. Der Stadtrat sollte noch am Nachmittag wieder auf freien Fuß kommen.

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