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Schiffsunglück: Deutsche Touristen wollen Schadenersatz

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21.01.2012

Unfälle Schiffsunglück: Deutsche Touristen wollen Schadenersatz

Ex-”Gorch-Fock”-Kommadeur wirft “Costa-Concordia”-Kapitän Täuschung vor.

Berlin/Giglio – Nach dem Schiffsunglück der “Costa Concordia” vor der italienischen Küste wollen weitere Passagiere aus Deutschland Schadensersatzforderungen geltend machen. Zu den fünf Touristen, die bereits Ansprüche in Höhe von rund 100.000 Euro gestellt hätten, würden in der kommenden Woche wohl noch weitere hinzu kommen, sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt am Samstag der dapd.

In den nächsten Tagen führe er Gespräche mit mehreren Touristen, die beabsichtigen, sich Geld zurückzuholen. Die bisherigen Forderungen kämen von zwei Ehepaaren und einer Frau aus Nordrhein-Westfalen. “Allein für die psychische Beeinträchtigung werden 2.500 Euro Schmerzensgeld pro Person geltend gemacht”, sagte Reinhardt.

Auf Kreuzfahrten hätten viele Touristen ihr gesamtes Hab und Gut dabei. “Schmuck, Kreditkarten, wichtige Dokumente – nach so einem Unfall ist alles weg”, erläuterte der Anwalt das Zustandekommen der Gesamtforderung von 100.000 Euro. Generell müssten Passagiere ihre Ansprüche innerhalb von vier Wochen nach einer Reise geltend machen. “Wer das verpasst, geht leer aus”, sagte er.

Die Buchung einer Kreuzfahrtreise kommt derzeit indes für knapp die Hälfte aller Deutschen nicht infrage: 51 Prozent würden wegen des Unglücks vor der italienischen Küste im Augenblick darauf verzichten, ergab eine Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der “Bild am Sonntag”. 61 Prozent der weiblichen und 40 Prozent der männlichen Befragten gaben laut Vorabmeldung der Zeitung vom Samstag an, derzeit nicht an Bord eines Kreuzfahrt gehen zu wollen. Befragt wurden insgesamt 500 Personen.

Kommandant warnt vor immer größeren Kreuzfahrtschiffen

Der frühere “Gorch-Fock”-Kommandant Immo von Schnurbein warnt angesichts der Havarie der “Costa Concordia” davor, immer größere Kreuzfahrtschiffe in Dienst zu nehmen. “Ich frage mich, ob es richtig sein kann, Tausende Menschen auf ein Schiff zu pferchen und zu hoffen, dass alles gut geht”, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin “Focus” laut Vorabmeldung vom Samstag.

Schiffskapitän Francesco Schettino, der bei dem Unglück frühzeitig von Bord gegangen war, kritisierte er scharf: “Wenn ich mein Schiff gegen einen Felsen fahre und mir dann überlegen muss, ob wir sinken werden oder nicht, dann kann ich gegenüber meiner Crew und meinen Gästen nicht von kleineren technischen Störungen sprechen. So etwas ist Täuschung.”

Die Wettervoraussetzungen für die weiteren Rettungsarbeiten sind gut. “In den kommenden Tagen sind keine größeren Windgeschwindigkeiten zu erwarten”, sagte Marcus Beyer, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach am Samstag. Heute und morgen sei Regen angekündigt. “Erst ab Dienstag nachmittag wird es deutlich windiger”, sagte er. Dann könne man mit Windstarke 6 rechnen.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft geht davon aus, dass Rettungstaucher auch bei einem vollständigen Absinken des Schiffes weiterhin arbeiten könnten. “Die Taucher erreichen Tiefen bis zu 400 Meter”, sagte der Präsidialbeauftragte der Abteilung Tauchen bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Michael Schnurbus. Sollte das Schiff abrutschen, würde die Suche aber “kaum noch Sinn machen, da so gut wie keine Chance” mehr bestünde, Überlebende zu finden.

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