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Niki des Saint Phalles war mehr als nur die Mutter der Nanas

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13.01.2012

Kunst Niki des Saint Phalles war mehr als nur die Mutter der Nanas

Retrospektive in Brühl zeigt weniger bekannte Seiten ihres Schaffens.

Brühl – Sie war Missbrauchsopfer, Top-Model und ein Vorbild der Emanzipation: So gegensätzlich wie das Leben der deutsch-französische Künstlerin Niki de Saint Phalle war, sind auch ihre künstlerischen Arbeiten. Zehn Jahre nach ihrem Tod widmet das Max Ernst Museum Brühl der Künstlerin ab Sonntag eine Retrospektive. Dabei zeigt die Schau „Spiel mit mir“ auf jeden Fall eins: Ihr Werk ging über die weltberühmten farbenfrohen Nana-Skulpturen hinaus.

Ihren Durchbruch als Künstlerin verdankte de Saint Phalle in den 60ern ihren Schießbildern, die einen wichtigen Teil der 85 Werke umfassenden Ausstellung ausmachen: Sie fertigte zunächst eine Collage aus den Kleidern ihres aktuellen Liebhabers und benutzte für das Gesicht eine Dartscheibe, auf die sie mit Pfeilen oder Nägeln zielte. Später folgten Bilder, für die sie Farbbeutel eingipste und dann auf die erstarrte Fläche zielte, sodass durch die Einschüsse die Farbe austrat und das Bild an eine blutende Wunde erinnerte. Die Schießbilder zeigten, dass Niki „gegen die Männer schon eine gewisse Aggressivität“ gehegt habe, sagt Museumsdirektor Achim Sommer. Im Alter von elf Jahren war de Saint Phalle von ihrem eigenen Vater sexuell missbraucht worden.

Die Traumata ihrer Kindheit verarbeitete sie mit ihrer Kunst. Ihr Werk, das aus Gemälden, Collagen und Skulpturen aus den unterschiedlichsten Materialien besteht, vermittelt aber keineswegs den Eindruck von Trauer. Vielmehr wird der Ausstellungsbesucher mit einem Farbenfeuerwerk konfrontiert. Und auch mit filigranen Skulpturinstallationen wie dem „Hanging Man“, der Teil eines späteren Projekts von de Saint Phalle in der Toskana war, mit Collagen aus Drähten und Kinderspielzeug. Wie Laura Duke, die Tochter der Künstlerin erzählt, hat de Saint Phalle für ihre Arbeit auch schon mal das eine oder andere Spielzeug aus dem Kinderzimmer ihrer Tochter zweckentfremdet. „Sie war sehr verspielt. Beim Damespielen hat sie immer geschummelt“, sagt Duke.

Die Ausstellung zeigt die vielen verschiedenen Stationen im Leben und im Werk von de Saint Phalle bis sie eine weltweit gefeierte Künstlerin war. Klassisch war ihr Lebenslauf definitiv nicht: Niki de Saint Phalle, die 1930 als Spross einer französischen Adelsfamilie als Catherine Marie-Agns Fal de Saint Phalle zur Welt kam, arbeitete Ende der 40er Jahre als erfolgreiches Model. Dass dürr und abgemagert nicht das Schönheitsideal der selbst zierlichen und schmalen Künstlerin war, zeigte sie ab den 60ern mit ihren Nanas. Diese waren für de Saint Phalle Segen und Fluch zugleich. „Sie hat selbst in einem Interview einmal gesagt, dass dies der einzige Aspekt ihrer Arbeit sei, der akzeptiert werde und der Rest werde ignoriert“, sagt Sommer. Andererseits konnte de Saint Phalle mit dem Verkauf der Nanas und auch von Merchandise-Produkten wie Nana-Schlüsselanhänger ihre eigenen größeren Projekte finanzieren.

Doch auch auf andere Weise waren die Nanas für die Künstlerin ein Fluch: „Die großen Skulpturen wurden aus Polyester angefertigt. In den 60ern war die Gefahr von den giftigen Dämpfen, die bei der Verarbeitung dieses Materials auftreten, nicht bekannt“, sagte Sommer. De Saint Phalle erkrankte an einem Lungenleiden, das sie zwang, in ein milderes Klima nach Kalifornien zu ziehen. Dort starb sie 2002 im Alter von 71 Jahren. „Sie hat quasi über ihren Tod hinaus gearbeitet: Sie hat ihre letzten Projekte so organisiert, dass sie auch nach ihrem Ableben verwirklicht werden können“, sagt ihre Tochter.

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