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03.04.2010

Neue Hinweise zum Schicksal von Raoul Wallenberg

Stockholm – Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg, der im Zweiten Weltkrieg zehntausenden Juden das Leben rettete, hat möglicherweise länger gelebt als jahrzehntelang von Moskau behauptet. Ein bislang unbekanntes Dokument aus russischen Archiven, das von dem US-Forscher Vadim Birstein und der Deutschen Susanne Berger entdeckt wurde, deutet darauf hin, dass Wallenberg mindestens eine Woche länger lebte als nach offizieller sowjetischer und russischer Darstellung. Er starb demnach nicht am 17. Juli 1947 in einem sowjetischen Gefängnis an einem Herzinfarkt, sondern war am 23. Juli noch am Leben.

Wallenberg hatte 1944 als Diplomat im von den Nazis besetzten Ungarn gearbeitet und zehntausende Juden vor dem Abtransport in Vernichtungslager gerettet. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde er 1945 festgenommen und verschwand spurlos. Sein Leichnam wurde nie gefunden. Wallenbergs Familie und zahlreiche Experten zweifelten die offizielle Version Moskaus daher stets an.

Birstein und Berger, die einer schwedisch-russischen Arbeitsgruppe zum Schicksal Wallenbergs angehören, haben für ihre Nachforschungen Unterlagen aus dem Archiv des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB ausgewertet. In einem der Dokumente taucht ihren Angaben zufolge ein „Gefangener Nummer sieben“ auf, der am 23. Juli 1947 im Lubjanka-Gefängnis in Moskau verhört wurde, also sechs Tage nach dem angeblichen Tod Wallenbergs. Wie Birstein der Nachrichtenagentur AFP sagte, handelt es bei diesem Gefangenen „mit großer Wahrscheinlichkeit“ um den schwedischen Diplomaten. Der neue Hinweis zeige, „dass die Sowjets im Grunde genommen seit 60 Jahren gelogen haben“, sagte Birstein.

Der Forscher wertete den neuen Beweis als „sehr, sehr wichtig“, weil Wallenbergs Schicksal nun wieder völlig offen sei. Es ist demnach möglich, dass er bei dem Verhör im Lubjanka-Gefängnis starb oder verurteilt und in ein anderes Gefängnis oder Arbeitslager verlegt wurde. Eine Reihe von Zeugen wollen Wallenberg noch nach 1947 lebend in sowjetischen Gefängnissen gesehen haben. 2001 war die schwedisch-russische Arbeitsgruppe bereits zu dem Schluss gekommen, dass Wallenberg womöglich von Moskau als Faustpfand gegenüber dem Westen weiter in Haft gehalten wurde. Es gab aber keine stichhaltigen Beweise.

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