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05.03.2010

Negativ-Auszeichnung für TV-Plattform: CHIP verleiht „Bremse des Jahres“ an HD Plus GmbH

Hannover/München (openPR) – Mit den jährlich verliehenen CHIP AWARDS würdigt CHIP Hersteller, die mit innovativen Produkten die IT-Branche voranbringen. Doch das Magazin für digitale Technik vergibt auch einen Preis, den keiner will: die „Bremse des Jahres“ – als Denkzettel an Unternehmen oder Institutionen, die den Fortschritt in der digitalen Welt blockieren. 2010 geht die Negativ-Auszeichnung an die HD PLUS GmbH. Sie vermarktet das Fernsehangebot HD+, das bislang aus den hochauflösenden TV-Programmen von RTL, PRO7, SAT.1, Kabel1 und VOX besteht. Die CHIP-Redaktion kritisiert, dass der HD-Empfang dieser Free-TV-Sender mit Zusatzkosten verbunden ist – die Nutzer müssen spezielle Empfangstechnik kaufen und zudem eine jährliche Gebühr zahlen. Außerdem, moniert das Technikmagazin, könnten die Privatsender mit Hilfe von HD+ Komfortfunktionen wie zeitversetztes Fernsehen unterbinden.

Wie es in der Begründung für die Bremse heißt, hat es das Tochterunternehmen des Satellitenbetreibers SES Astra geschafft, Deutschland die HD-Laune zu verderben: „Wer HDTV ausbremst, die wichtigste TV-Innovation seit der Einführung des Farbfernsehens, hat sich diesen Preis redlich verdient.“ Denn die Tatsache, dass Programme über HD+ verschlüsselt ausgestrahlt werden, habe zu massiver Verunsicherung von Verbrauchern und Industrie geführt. Da nur HD+-zertifizierte Satellitenreceiver diese Programme empfangen können, müssten viele TV-Zuschauer einen zusätzlichen HD-Empfänger kaufen – oder auf Nachrüst-Kits warten: „Und diese von HD PLUS versprochenen Kits für herkömmliche HD-Reveiver lassen bislang auf sich warten. Ohnehin darf man gespannt sein, bei welchen Geräten sie überhaupt funktionieren.“

Dass HD PLUS und die beteiligten Sender nach einem „Gratisjahr“ ein Nutzungsentgelt von 50 Euro pro Jahr fordern, passe ins traurige Bild, so die CHIP-Redaktion: „So vereint man die Nachteile von Free- und Pay-TV zu Lasten der Zuschauer: Sie bekommen Werbefernsehen und dürfen auch noch dafür zahlen.“ Dass HD+-Programme auch noch in ihrer Nutzung eingeschränkt werden können, setze dem Ganzen die Krone auf: „Auf Wunsch der Privatsender kann HD+ das Überspringen von Werbung blockieren. Außerdem lassen sich Aufnahmen und sogar zeitversetztes Fernsehen komplett verhindern.“ Wie CHIP weiter schreibt, habe sich die HD PLUS GmbH die Bremse des Jahres „redlich verdient: Wer Kunden und Industrie über die nötige Technik für HDTV so lange im Unklaren lässt, gleichzeitig fragwürdige Gebühren verlangt und auch noch die freie Nutzung der werbefinanzierten Programme beschneidet, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Zuschauer am Ende einfach abschaltet.“

Hintergrund: Die „Bremse des Jahres“

Seit 2002 verleiht das Technikmagazin CHIP die „Bremse des Jahres“. Erster Preisträger war der Dachverband der deutschen Phonowirtschaft wegen seines Feldzugs gegen private Audiokopierer. Die Bremse 2003 kassierte das Industrie-Konsortium TCPA (heute TCG) für die Absicht, den PC der Zukunft mit fragwürdigen und schwer durchschaubaren Kontrolltechniken auszurüsten. 2004 bekam die Bundesagentur für Arbeit eine Bremse für ihr missratenes Jobportal im Internet. Im Jahr darauf ging die Negativ-Auszeichnung an zwei Firmenkonsortien, die „Blu-ray Disc Association“ und die „HD-DVD Promotion Group“, die sich nicht auf einen gemeinsamen Standard fürs DVD-Nachfolgeformat einigen wollten.

Die Bremse 2006 erhielt die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) für ihren Plan, sämtliche internet- fähigen Geräte mit Rundfunkgebühren zu belegen. 2007 wurde der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, wegen seines Lobbyismus für den sogenannten Bundestrojaner mit einer Bremse bedacht. 2008 ging die „Bremse des Jahres“ an Brigitte Zypries, die als Bundesministerin der Justiz die Einführung der Vorratsdatenspeicherung (VDS) in Deutschland politisch verantwortete. Im Vorjahr schließlich bekam die Deutsche Telekom eine Bremse wegen der Datenskandale, die sich das Unternehmen leistete.

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