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Familienausschuss berät über Konsequenzen

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01.02.2012

Chantals Tod Familienausschuss berät über Konsequenzen

Bezirksamt wirft nach Chantals Tod Sozialarbeitern Betriebsblindheit vor.

Hamburg – Nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch eine Methadon-Vergiftung herrscht beim Hamburger Senat und dem zuständigen Bezirksamt Erklärungsnot. “Bei den zuständigen Sozialarbeiten hat teilweise eine Betriebsblindheit geherrscht”, sagte der Leiter des Bezirksamtes Mitte Markus Schreiber (SPD) am Dienstagabend während der Sitzung des Familienausschusses der Bürgerschaft im Rathaus. Es sei aus Sicht des Bezirksamtes nicht nachzuvollziehen, dass über so lange Zeit Hinweisen auf eventuelle Mängel und Risiken nicht nachgegangen wurde.

Chantal war am 16. Januar gestorben. Die Pflegeeltern nehmen seit Jahren an einem Methadon-Programm teil. Gegen sie und den leiblichen Vater des Mädchens besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung.

Seit das Mädchen 2008 in die Obhut der Pflegefamilie gekommen war, habe es fünf Hinweise durch Nachbarn und Bekannte auf Drogenkonsum der Pflegeeltern gegeben, sagte Schreiber weiter. Diese seien von den Mitarbeitern des Jugendamtes aufgrund des bestehenden Vertrauensverhältnisses zu der Pflegefamilie lediglich als Mobbing abgetan worden. “Aber eine Vertrauensbasis zwischen Sozialarbeiter und Pflegefamilie darf nicht zu solchen Fehleinschätzungen führen”, sagte der Bezirksamtsleiter.

Zudem hätte sich das Jugendamt zu sehr auf die erste Prüfung der Familie durch den Bezirk Harburg und durch den freien Träger Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) verlassen. “Die Sozialarbeiter hätten die Wohnung selbst aufsuchen müssen”, sagte Schreiber. Als Konsequenz aus diesen Fehlern wurde die Chefin des Jugendamtes, Pia Wolters, bis auf weiteres von ihren Aufgaben freigestellt. Nun wolle das Bezirksamt eine neue Anstellung für Wolters finden.

Der Hungertod von Lara Mia hatte bereits damals einen Streit über die Zuständigkeiten von staatlichen Stellen oder beauftragten Institutionen ausgelöst. Obwohl die Familie des Mädchens unter der Betreuung eines Jugendamtes stand, wurde die über Monate andauernde Unterernährung des Kindes nicht bemerkt. Ob weitere personelle Einschnitte beim Jugendamt folgen, soll laut Schreiber erst nach Abschluss der Ermittlungen beschlossen werden.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen die Jugendhilfe-Einrichtungen eingeleitet. “Wir ermitteln gegen bislang unbekannte Mitarbeiter des Jugendamtes und des Trägers wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht”, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Eine solche könne mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Am Vormittag hatten acht Polizisten und ein Staatsanwalt die Räume des Jugendamtes sowie des freien Trägers VSE durchsucht.

Auch der Hamburger Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) will mit weiteren Konsequenzen bis zum Ende der von ihm am Montag angeordneten Einsicht in sämtliche Akten der 1.300 Hamburger Pflegefamilien und deren Hausangehörige abwarten. Dabei soll insbesondere darauf geachtet werden, ob Hinweise auf Suchterkrankungen oder Straftaten vorliegen. Die Prüfung soll bis zum 15. Februar abgeschlossen sein.

Neben der Aktenprüfung hatte Scheele ebenfalls neue Regelungen für die Vermittlung von Kindern und minderjährigen Jugendlichen in Pflegefamilien angeordnet. Bevor die zuständigen Bezirke eine geeignete Pflegefamilie auswählen können, müssen angehende Pflegeeltern und alle Hausangehörigen künftig nicht nur ein Führungszeugnis, sondern auch ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Damit wollen die Behörden Suchterkrankungen und andere relevante Krankheiten zweifelsfrei ausschließen.

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