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Nach Baby-Mord sollen die Eltern lebenslang ins Gefängnis

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17.01.2012

Tötung Nach Baby-Mord sollen die Eltern lebenslang ins Gefängnis

Kammer: Paar vereinbarte stillschweigend Tötung des Kindes nach der Geburt.

Potsdam – Die Mutter nimmt das Urteil fast regungslos zur Kenntnis, der Vater schlägt die Hände vors Gesicht: Beide sind soeben am Landgericht Potsdam wegen der Tötung ihres Babys zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Am Ende des fast dreimonatigen Prozesses steht für das Gericht fest, dass die beiden Angeklagten im Juni 2009 in Jüterbog ihr neugeborenes Kind umgebracht haben. Die Strafkammer verurteilt die Eltern am Dienstag wegen gemeinsamen Mordes.

Die Angeklagten hatten den Vorwurf bestritten und sich gegenseitig der Tat bezichtigt, doch die Strafkammer zeigt sich überzeugt: “Sie wollten das Kind nicht und wussten, dass es so endet.” Niedere Beweggründe führt der Vorsitzende Richter Frank Tiemann als Mordmerkmal an. Es sei keine Verzweiflungstat in einer ausweglosen Situation gewesen.

Es ist kein geradliniger Lauf, der das Leben der 38-jährigen Kirsten H. zeichnet: Die Eltern getrennt, mit 19 Jahren das erste Kind, bald danach das zweite, die Lehre abgebrochen, Beziehungen mit Trinkern und Schlägern, selbst Probleme mit Alkohol. In einer Sommernacht 2006 vergisst sie vor lauter Feiern die kleine Tochter, die allein zu Hause ist. Das Mädchen stürzt aus dem Fenster und verletzt sich schwer. Das Jugendamt schaltet sich ein.

Auch der 35-Jährige Marcel T. hat einen Lebensweg voller Brüche. Mit 19 hat er einen schweren Motorrad-Unfall. Er lag im Koma, erlitt einen Hirnschaden und leidet fortan unter einer organischen Persönlichkeitsstörung – einer Veränderung von Denken, Verhalten und Führen. Die Lehre schafft er zunächst nicht, Beziehungen missglücken, Alkohol hat eine dominante Rolle.

Anfang 2007 lernen sich die beiden kennen und werden ein Paar. Sie bekommen noch im selben Jahr ein Kind. Sie kaufen ein Haus – 80.000 Euro wiegt der Kredit. Doch das Geld ist knapp, Alkohol gibt es indes immer reichlich, ebenso Streit. “Die Beziehung war total zerrüttet”, führt der Verteidiger des Mannes während des Prozesses aus. Als Kirsten H. im Dezember 2008 merkt, dass sie erneut schwanger ist, ist es für eine Abtreibung zu spät.

Vieles, was danach geschieht, passiert unausgesprochen, doch für Staatsanwaltschaft und Gericht ist klar: Das Paar konnte und wollte sich das Kind nicht leisten. “Die beiden vereinbarten, die Schwangerschaft geheim zu halten, und trafen die stillschweigende Übereinkunft, das Kind zu töten, wenn es zur Welt kommt”, resümiert Tiemann in seiner Urteilsbegründung.

Kurz nachdem Kirsten H. am 2. Juni 2009 im Keller des Hauses das Kind zur Welt gebracht hatte, soll ihr Lebensgefährte nach Überzeugung des Gerichts dem Säugling den Schädel eingetreten und die Leiche im Garten vergraben haben. Als fast anderthalb Jahre später die Tat herauskommt, weil sich Kirsten H. einer Freundin anvertraut, finden die Ermittler in dem Kellerraum noch immer den mit Blut getränkten Teppich und rekonstruieren, dass der Säugling etwa ein Drittel seines Blutes verloren haben muss. “Der hat brutal zugetreten”, schlussfolgert Staatsanwalt Peter Petersen.

Marcel T. streitet bis zum Schluss ab, das Kind getötet zu haben. Für seinen Verteidiger bleiben nach der Urteilsverkündung Zweifel. “Das Gericht hat einen Sachverhalt wiedergegeben, der ihm am wahrscheinlichsten erscheint”, erklärt Anwalt Hans-Jörg Arlt. Aber solange Zweifel bestünden, könne sein Mandat nicht verurteilt werden. Arlt kündigt noch im Gerichtssaal Revision an.

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