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05.04.2010

Mutmaßlicher Peiniger von Kassandra ab Mittwoch vor Gericht

Frankfurt/Main – Lebensgefährlich verletzt, durchnässt und unterkühlt liegt die kleine Kassandra in einem 1,50 Meter tiefen Abwasserschacht. Der Gullydeckel über ihr ist verschlossen und mit Ästen bedeckt. Stundenlang ist die Neunjährige aus dem nordrhein-westfälischen Velbert dort eingesperrt, bis ein Rettungshund sie in den frühen Morgenstunden des 15. September 2009 aufspürt. Er bewahrt sie damit vor dem Tod. Der 15-jährige Jugendliche, der dem Mädchen dieses unfassbare Leid zugefügt haben soll, muss sich ab Mittwoch vor dem Landgericht Wuppertal verantworten.

Das Verbrechen, das bundesweit für Entsetzen sorgte, ereignete sich an einem Montag im September vergangenen Jahres in der Kleinstadt im Bergischen Land. Die Drittklässlerin mit den langen braunen Haaren ging am Nachmittag jenes Tages wie üblich zu einer Betreuungseinrichtung für Sechs- bis Zwölfjährige, nur wenige hundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt. Gegen 17.30 Uhr wurde sie das letzte Mal von einem Betreuer gesehen.

Am Abend meldeten die Eltern, die zunächst selbst vergeblich nach ihrer Tochter gesucht hatten, das Kind als vermisst. Mit einem Großaufgebot suchte die Polizei nach der Schülerin. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera und Suchscheinwerfern war im Einsatz. In der Nacht zum Dienstag nahm dann auch Rettungshund „Christo“ die Suche auf. Mit seiner Hilfe wurde Kassandra gegen 01.20 Uhr in dem Abwasserschacht entdeckt. Nicht ansprechbar lag sie vollständig bekleidet auf dem Boden des Schachts. Kassandra hatte ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten, mehrere innere Organe waren verletzt.

Angeklagt ist nun ein 15-Jähriger, der ebenfalls aus Velbert stammt. Er soll an jenem Montag das Mädchen in der Nähe einer Turnhalle zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr zwei Mal mit einem Stein auf den Kopf geschlagen und dadurch lebengefährlich verletzt haben. Danach warf er sie laut Anklage mit „Tötungsabsicht“ in den Abwasserschacht, um seine Tat zu verdecken. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb versuchten Mord vor. Ihm droht nach Jugendstrafrecht Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren. Nach seiner Festnahme Anfang Oktober bestritt der Junge, das Mädchen gequält und in den Abwasserschacht geworfen zu haben. Seine Verteidigerin wollte sich vor dem Prozess nicht äußern.

Wegen des Alters des Jugendlichen findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mit dieser Regelung wolle der Gesetzgeber unter anderem eine öffentliche Stigmatisierung vermeiden, erklärte das Landgericht Wuppertal. Zudem solle eine „jugendgerechte Kommunikationsatmosphäre“ geschaffen werden, die auch der Wahrheitsfindung diene. In dem Verfahren sind zunächst 17 Verhandlungstage bis zum 23. Juni festgesetzt.

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