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Angeklagter schweigt zu Bluttat vor fast 20 Jahren

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01.02.2012

Mord im Strichermilieu Angeklagter schweigt zu Bluttat vor fast 20 Jahren

Früherer Stricher soll 31-jährigen Caf-Betreiber brutal misshandelt und erstochen haben.

Karlsruhe – Im Karlsruher Prozess um einen fast 20 Jahre zurückliegenden Mord im Strichermilieu hat der Angeklagte am Mittwoch zum Tatvorwurf geschwiegen. Der 43-jährige Rumäne machte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Karlsruhe lediglich Angaben zu seiner Person.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Oktober 1992 einen 31-jährigen Caf-Betreiber, den er gemeinsam mit einem jüngeren Mann aufsuchte, brutal getötet zu haben. Die beiden damals als Stricher tätigen Männer sollen den 31-Jährigen in dessen Karlsruher Wohnung zunächst massiv misshandelt haben. Dann habe der Angeklagte ihm mehrfach mit einem Messer in den Hals gestochen. Das Opfer starb wenig später an seinen schweren Verletzungen.

Der Angeklagte war in Italien festgenommen worden. Er befindet sich seit seiner Auslieferung im Mai 2011 in Deutschland in Untersuchungshaft. Auf die Fährte des Mannes gelangten die Zielfahnder, nachdem der jüngere Tatverdächtige identifiziert und gefasst worden war. Er war bereits im Februar 2011 wegen seiner Beteiligung an dem Angriff zu sieben Jahren Haft verurteilt worden – wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Das Motiv für die Bluttat ist bislang noch nicht geklärt, wie Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring in einer Verhandlungspause sagte. Das 31-jährige Opfer sei von der explosiven Gewaltanwendung völlig überrascht worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Heimtücke-Mord aus. Zwar seien damals 500 Mark entwendet worden. Im Verfahren gegen den jüngeren Mittäter habe man aber nicht beweisen können, dass das Opfer wegen des Geldes sterben musste. Der homosexuelle 31-Jährige hatte den Angaben zufolge auch schon vorher Kontakte zu den beiden Rumänen, die in ihrem Heimatland arbeitslos waren und deshalb in Deutschland als Stricher arbeiteten.

In dem Prozess wurden per Projektor schockierende Fotos des halbnackten Leichnams des Mordopfers gezeigt, der von blutigen Verletzungen übersät war. Die Unterschenkel des 31-Jährigen waren von den Tätern gefesselt worden. Um seinen Hals war ein Spannbetttuch gewickelt. Scherben von Flaschen, die dem 31-Jährigen auf den Kopf geschlagen worden sein sollen, waren auf den Fotos vom Tatort zu sehen. Ein Kriminaloberkommissar, der 1992 ermittelte, sagte als Zeuge: “In jedem Zimmer der Wohnung war Blut.”

Als der Angeklagte die an die Wand geworfenen Lichtbilder des grausam zugerichteten Opfers betrachtete, schüttelte er leicht den Kopf – so als könne er nicht glauben, was er sah. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Rehring sprechen jedoch Aussagen des jüngeren Mittäters sowie DNA-Spuren am Tatmesser dafür, dass der 43-Jährige Rumäne den 31-Jährigen Caf-Betreiber getötet hat.

In dem Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt. 13 Zeugen und 3 Sachverständige sollen vernommen werden. Das Urteil könnte Mitte Februar fallen.

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