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Mutmaßliches Neonazi-Opfer widerruft frühere Aussagen

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18.01.2012

Winterbach Mutmaßliches Neonazi-Opfer widerruft frühere Aussagen

Zeuge will keine Angreifer erkannt haben – Richter und Staatsanwalt bezweifeln neue Version.

Stuttgart – Der Prozess wegen eines Brandanschlags auf Migranten hat eine überraschende Wendung genommen. Eines der Opfer des mutmaßlichen Neonazi-Angriffs in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) hat am Mittwoch vor dem Stuttgarter Landgericht frühere Aussagen widerrufen. Der 20-jährige Mann italienischer Herkunft sagte, er habe keine Angreifer gesehen und sei nach einer Warnung geflohen.

Bei der Polizei hatte er zunächst von bis zu zehn Angreifern mit Glatze gesprochen, später von lediglich zwei bis drei Personen. Der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen bezweifelte die neue Version des Mannes. Als Zeuge müsse er auch dann die Wahrheit sagen, wenn er bedroht werde, mahnte Holzhausen.

In Stuttgart müssen sich seit Montag zwei Männer im Alter von 21 und 22 Jahren wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Sie sollen der rechtsextremen Szene angehören und in einer Aprilnacht vergangenen Jahres aus ausländerfeindlichen Motiven eine Gartenlaube in Brand gesteckt haben. Laut Anklage nahmen sie in Kauf, dass fünf Migranten sterben, die sich nach einem Angriff auf ihre Feier in der Holzhütte verbarrikadiert hatten. Die mutmaßlichen Täter bestreiten die Tat.

Der 20-jährige Zeuge sagte vor Gericht, er sei nicht in der Gartenlaube gewesen. Auf Nachfrage gab er später an, dass er doch kurz darin gewesen sein könnte. Der Polizei hatte er bei einer Vernehmung gesagt, er sei von einem Freund in die Holzhütte gezogen worden. Eine Freundin hatte zudem von Telefonaten berichtet, in denen er ihr zunächst gesagt haben soll, er werde verfolgt und später dann, er befinde sich in der Gartenlaube.

Eine weitere Zeugenaussage vor Gericht stützte jedoch die neue Version. Ein 29-jähriger Mann gab an, ohne den 20-jährigen Zeugen in der Hütte gewesen zu sein.

Den Aufenthalt in der Hütte habe er sich für seine Freundin ausgedacht, sagte der 20-Jährige vor Gericht. “Damit die nicht denkt, dass ich gleich abgehauen bin.” In Wirklichkeit sei er aber geflohen und habe sich dabei verletzt und auch einen Schlag im Rücken gespürt. Laut Klinikdiagnose erlitt er eine leichte Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen.

Der Richter sagte, er habe “erhebliche Zweifel” an den Aussagen des mutmaßlichen Opfers. An der Pflicht zur Wahrheit ändere sich auch nichts, “wenn Sie möglicherweise Angst haben, weil draußen jemand steht”. Die zwei Angeklagten waren während der Zeugenbefragung im Gerichtssaal und hörten zu.

Der Staatsanwalt kündigte an, er werde ein Verfahren wegen Falschaussage prüfen. Zum Zeugen sagte er: “Entschuldigung, aber das ist echt Mist, was Sie erzählen.” Der 20-Jährige hatte zuvor auf viele Fragen nur geantwortet, er könne sich nicht mehr erinnern. Er begründete dies mit Panik und Alkoholeinfluss.

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