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Mützen, Schals und lange Unterhosen

© dapd

03.02.2012

1. Bundesliga Mützen, Schals und lange Unterhosen

Kopf- und Halsbedeckung laut Regelbuch nicht verboten.

Hamburg – Mirko Slomka machte schon mit seinem Auftritt bei der Pressekonferenz klar, dass er nicht über das Wetter reden wollte. Demonstrativ stellte sich der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 im kurzärmeligen T-Shirt den Fragen der Journalisten. “Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Jetzt haben wir mal ein paar Minusgrade und sollten es nicht gleich übertreiben”, redete Slomka die Diskussion um die sibirischen Temperaturen herunter.

Der Mann hat gut reden, schließlich kann er sich am Wochenende dick eingepackt auf der Trainerbank lümmeln während seine Spieler im leichten Trikot und in kurzer Hose bei vorhergesagten Temperaturen im zweistelligen Minusbereich auflaufen müssen. Da gilt es für die Profis tief in die wärmende Trickkiste zu greifen: Mützen, Schals und lange Unterhosen – doch was ist eigentlich erlaubt?

“Im Regelwerk ist nicht konkret die Rede von Mützen und Schals”, sagt der langjährige oberste DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel der Nachrichtenagentur dapd. “Wichtig ist, dass sie keine Verletzungsgefahr darstellen – für den Spieler selbst und für den Gegenspieler.” Bei der Kopfbedeckung sei das gewiss gegeben, “daher sollten die Schiedsrichter keine Einwände dagegen haben”, vermutet Strigel. Jedoch stört die Mütze beim Kopfball und hätte auch im Zweikampf Nachteile, daher kommt sie meist nur im Training zum Einsatz.

Bei Schals sieht es da schon anders aus: Vergangenen Winter gab es einen regelrechten Trend. Doch damit ist Schluss. Der Weltverband FIFA hat die besonders bei den Torhütern beliebten sogenannten Schlauchschals verboten. Und Halstücher sind aufgrund der hohen Verletzungsgefahr tendenziell zu gefährlich und werden daher von den meisten Schiedsrichtern nicht erlaubt. Als einzige Waffe gegen einen kalten Hals könnten sich also Rollkragenpullover erweisen.

Gegen Handschuhe spricht allerdings nichts, so lange sie aus Stoff sind. “Ich habe sogar immer zwei Handschuhe übereinander an und mir ist trotzdem noch kalt”, sagt Bayern-Star Franck Ribery. Auch Kollege Arjen Robben leidet an einer erhöhten Kälte-Empfindlichkeit: Vor zwei Jahren fiel der Niederländer mit einer grauen Trainingshose unter dem roten Bayern-Outfit auf. “Das wurde damals ein, zweimal zugelassen. Danach wurde er darauf hingewiesen, die Farbe der Hose an die des Trikots anzupassen”, sagt Strigel.

Auch Wolfsburgs Trainer Felix Magath kündigte an, auf lange Unterhosen zurückgreifen: “Ich werde frieren und beneide die Spieler, die sich bewegen können”, sagte Magath. Bayer Leverkusens Trainer Robin Dutt hätte gerne auf das spezielle Schuhwerk seines Vorgängers Jupp Heynckes zurückgegriffen. Denn der zog sich während seiner Zeit in Leverkusen gerne ein Paar Akku betriebene Stiefel an, wenn die Temperaturen in den Keller gefallen waren. In den Genuss der wärmenden Schuhe kommt Dutt aber nicht, denn die hat der jetzige Bayern-Coach Heynckes mit nach München genommen. “Schade, die hätte ich gut gebrauchen können”, sagte Dutt mit einem Schmunzeln.

Für die ganz großen Liga-Frostbeulen hätte Thorsten Fink noch ein paar Tipps auf Lager: “Früher gab es Spieler, die sich eine Tüte in die Schuhe gesteckt haben, das hält warm”, sagt der Trainer des Hamburger SV. Aber auch er ist der Meinung: “Am besten hilft immer noch: laufen.”

Blöd für die Männer im Tor, deren Bewegungsspielraum vor der 7,32 Meter breiten Kiste doch arg eingeschränkt ist. “Bei unseren Torhütern sind sogar die nassen langen Hosen eingefroren”, klagte Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia. Zum Warmhalten müssten die Schlussmänner auf der Stelle oder im Kreis laufen. Kleines Trostpflaster: Wenigstens müssen sie sich nicht auf gefrorenen Boden schmeißen.

Rasenheizungen sind für Profi-Klubs schon seit Jahren verpflichtend. Sie verhindern zwar einen vereisten Untergrund, eine Stadionheizung gibt es allerdings noch nicht. Und so wird am Wochenende gezittert und gebibbert – es sei denn: “Es gibt eine Regelvorgabe von der FIFA”, sagt Strigel. “Ab einer Temperatur von 15 Grad unter Null sollten keine Spiele mehr stattfinden.” Auf dapd-Anfrage stellte die Deutsche Fußball Liga (DFL) aber klar, dass es allein im Ermessen des jeweiligen Schiedsrichters läge, ein Spiel aufgrund der Temperaturen abzusagen.

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