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Münchener Alarmglocken

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19.02.2012

FC Bayern München Münchener Alarmglocken

Nach der blamablen Nullnummer in Freiburg sehen die Münchner ihre Saisonziele in großer Gefahr.

Freiburg – Spätestens als sich Uli Hoeneß mit hochrotem Kopf im proppenvollen Bauch des Freiburger Stadions seinen Weg bahnte Richtung Umkleideraum, wusste jeder Bajuware, was die Stunde geschlagen hatte. “Bei uns schrillen die Alarmglocken”, brachte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger kurze Zeit nach dem Besuch des Präsidenten und kolportierter Kabinenpredigt die Stimmung beim deutschen Rekordmeister auf den Punkt. Der Manager mahnte nach dem blamablen 0:0: “Wir müssen schleunigst in die Gänge kommen, sonst erleben wir eine deprimierende Saison.”

Vier Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Basel brachte nicht allein das gerechte Unentschieden beim Tabellenletzten und der nun auf vier Punkte vergrößerte Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund bei den Bayern-Oberen das Blut in Wallung. Vor allem die Art und Weise, wie sich das auf Tabellenrang drei abgerutschte Starensemble präsentierte, war ernüchternd und für Heiko Vogel, den unter den 24.000 Zuschauern weilenden Trainer des Schweizer Meisters, wohl auch aufschlussreich. Mit der von Trainer Jupp Heynckes gewählten Bezeichnung “pomadig” war die Vorstellung der Bayern noch beschönigt umschrieben.

Nerlinger, der wie Kapitän Philipp Lahm “viel Gesprächsbedarf” nach dem blutleeren Auftritt geltend machte, wurde deutlicher: “Es haben alle grundlegenden Elemente gefehlt, auch in der Spielanlage.” Die Bayern präsentierten sich gegen einen – wie von Heynckes am Freitag wohlweislich noch einmal betont – ums sportliche Überleben kämpfenden Gegner leidenschafts- und einfallslos.

Lahm nahm ebenfalls kein Blatt vor den Mund. “Keine Laufbereitschaft, keine Aggressivität, keine zweiten Bälle”, attestierte er sich und den Seinen. In der ersten Halbzeit waren die Bayern eine Karikatur eines Titelkandidaten. Erst nach einer “energischen” Ansprache von Heynckes in der Pause gingen sie in Hälfte zwei engagierter zu Werke, aber auch nicht dominant genug. “Wenn man Deutscher Meister werden will, dann muss man anders auftreten”, sagte Lahm.

Vom nationalen Titel hat sich Nerlinger insgeheim bereits verabschiedet. Die zwei Borussias hätten “viel mehr Stabilität”, Dortmund sei angesichts des Vorsprungs, der konstanten Leistungen und wegen der geringeren Belastung nach dem Ausscheiden im Europapokal der “Meisterschaftsfavorit”, sagte der Sportchef. Dass die Bayern in der aktuellen Form nur noch ein Team unter vielen sind, drückte der Freiburger Kapitän Cedrick Makiadi indirekt aus: “Wir haben einen Punkt gegen eine Bundesligamannschaft geholt, nicht mehr und nicht weniger. Wir wollten drei Punkte.”

Ein echter Sieg, nicht nur ein gefühlter, wäre für die tapferen Talente, Durchschnittsalter 23 Jahre, drin gewesen. Die Freiburger hatten gar ein Chancenplus. In der Schlussphase rettete Torhüter Manuel Neuer bei einem platzierten Schuss von Daniel Caligiuri den Bayern wenigstens einen Punkt. “Wir haben ein überragendes Spiel gemacht, schade, dass wird nicht den Lucky Punch gesetzt haben. Aber der Punkt ist sehr schön und Gold wert. Es fühlt sich an wie ein Sieg”, sagte Oliver Baumann, der Torhüter des nun mit Kaiserslautern und Augsburg punktgleichen (18) Schlusslichts.

Die Gastgeber hatten aber auch zweimal das Glück der Tüchtigen auf ihrer Seite. In der 41. Minute scheiterte Thomas Müller mit seiner Direktabnahme aus elf Metern nach Flanke des weitgehend abgemeldeten Franck Ribery am großartig reagierenden Freiburger Schlussmann. Und in der 52. Minute kam der zur Halbzeit eingewechselte Arjen Robben im Strafraum zu Fall, als ihm Jonathan Schmid im Zweikampf auf den Fuß getreten war.

Nach dem Schlusspfiff gab sich Robben, der neben Lahm als einziger Bayern-Spieler aus der mannschaftlichen Verschlossenheit ausbrach, generös. Ob Elfmeter oder nicht, sei “nicht mehr wichtig. Ich weiß nur, dass es keine Schwalbe war”, sagte der Niederländer grinsend. Unmittelbar vor Robbens Sturz hatte Ribery wegen einer Flugeinlage mit Betrugsabsicht Gelb gesehen. Robben, der zum dritten Mal hintereinander nicht in der Startformation stand und der nach seiner Einwechslung das Spiel der Bayern sichtlich belebte, durfte sich als einziger Gewinner bei den moralischen Verlierern fühlen.

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