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Tatwaffe bleibt verschwunden

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09.04.2012

Mordfall Lena Tatwaffe bleibt verschwunden

EKD-Ratsvorsitzender spricht sich für Klarnamen im Internet aus.

Emden – Mehr als zwei Wochen nach dem Tod der elfjährigen Lena in Emden bleibt die Tatwaffe verschwunden. Es werde weiter nach „beweisrelevanten Gegenständen“ gesucht, der Einsatz von Polizeitauchern sei jedoch abgeschlossen, sagte eine Polizeisprecherin am Ostermontag auf dapd-Anfrage. Die Überprüfung des Umfelds des mutmaßlichen Täters gehe unvermindert weiter. Dabei soll geklärt werden, ob der in Untersuchungshaft sitzende 18-Jährige auch im Zusammenhang mit weiteren Straftaten im Raum Emden steht.

Zur Todesursache des Kindes hält sich die Polizei weiterhin bedeckt. „Das ist Täterwissen“, sagte die Sprecherin. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge wurde Lena möglicherweise erwürgt, bevor ihr Mörder auf sie mit einem Messer einstach. Das Blatt berief sich dabei auf den Obduktionsbericht.

Die Berichterstattung zum Fall Lena führte nach Polizeiangaben unterdessen auch zu zwei weiteren Anzeigen wegen Sexualstraftaten. Zwei inzwischen erwachsene Opfer erstatteten Anzeigen, weil sie als Kinder missbraucht wurden. Die Polizei hat für beide Fälle gesonderte Verfahren eingeleitet. Ob ein Zusammenhang zu den jetzigen Ermittlungen besteht, ist unklar. Der 18-Jährige soll im November vergangenen Jahres versucht haben, eine 27-jährige Joggerin zu vergewaltigen.

Diskussion über Versäumnisse geht weiter

Während der Osterfeiertage ging derweil die Diskussion über Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Fall weiter. Neben den Ermittlungen gegen zwei Polizisten wegen Strafvereitelung im Amt forderte die Deutsche Polizeigewerkschaft eine Klärung der Rolle von Jugendamt und Psychiatrie. Diese Einrichtungen dürften sich nicht aus der Affäre stehlen, sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und forderte bei ähnlichen Vorgängen sogenannte Fallkonferenzen wie bei der Sicherungsverwahrung.

Bereits im November 2011 hatte sich der 18-jährige Tatverdächtige in Begleitung eines Betreuers bei der Polizei selbst angezeigt, weil er ein Jahr zuvor eine Siebenjährige in seinem Elternhaus entkleidet und nackt fotografiert hatte. Nach Angaben von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte seine Mutter das Jugendamt über den Vorfall informiert.

Das Emder Jugendamt war nach eigenen Angaben aber zu keiner Zeit vor dem Mordfall mit der Betreuung des jungen Mannes befasst. Nach einem Bericht der „Emder Zeitung“ soll das Jugendamt des Landkreises Aurich damals zuständig gewesen sein. Dort wollte sich auf Anfrage jedoch niemand zu dem Fall äußern. Der Chefarzt der Aschendorfer Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der der 18-Jährige vor seiner Selbstanzeige zwei Monate lang betreut wurde, hatte eine Mitverantwortung ebenfalls zurückgewiesen. Die Therapie sei damals regulär beendet worden, sagte er.

Schneider fordert Klarnamen im Internet

Das Leid des fälschlich verdächtigten 17-Jährigen in Emden thematisierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Er sprach sich vor dem Hintergrund der Lynchaufrufe gegen den Jugendlichen für ein Ende der Anonymität im Internet aus. „Die Anonymität des Internets ist eine Verlockung, Hemmungen aufzugeben. Sie verleitet dazu, dem destruktiven Potenzial, das in uns allen steckt, völlig freien Lauf zu lassen“, sagte er der „Münsterschen Zeitung“. Er sprach sich für unterschiedliche Modelle im Umgang mit Klarnamen im Internet aus.

Am Dienstag (10. April) will der Emdener Oberbürgermeister, Bernd Bornemann, über den weiteren Umgang der Stadt mit dem Mordfall informieren. Der SPD-Politiker hatte dem falsch Verdächtigten 17-Jährigen bereits die Unterstützung der Stadt zugesichert.

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