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Angeklagter widerruft Geständnis

© dapd

11.02.2013

Mord an der Ex Angeklagter widerruft Geständnis

Tödliche Schüsse sollen sich aus Versehen gelöst haben.

Osnabrück – Seine Miene ist grimmig, als der 69-Jährige am Montag das bereits abgelegte Geständnis vor dem Osnabrücker Landgericht widerruft. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Er soll am 23. August seine ehemalige Lebensgefährtin erschossen haben. Mit zwei Schüssen. Doch es war alles ganz anders, heißt es nun in der Erklärung, die sein Anwalt verliest. Es sei ein Unfall gewesen. Die Erschossene habe ihn nach einem Streit gestoßen und zwischen die Beine getreten. Da sei der Revolver ohne sein Zutun los gegangen.

Warum gestand er dann die Tat? Sein Mandant sei bei der ersten Befragung nicht vernehmungsfähig gewesen, sagt der Anwalt. Er sei betrunken gewesen, habe vor und nach dem tödlichen Vorfall Wodka, Wein und Whisky getrunken.

Kinder der Getöteten sitzen im Gerichtssaal

Es war ein verwirrter Eindruck, den der Angeklagte vor Gericht hinterließ. Fragen des Vorsitzenden Richters, ob er verheiratet sei oder Kinder habe, beantwortete der gebürtige Slowene mit: „Weiß nicht.“ Zum Tathergang konnte er ebenfalls nichts sagen, was über die Erklärung seines Verteidigers hinaus ging. Ob die in einem Wald versteckte Waffe geladen war oder nicht, warum er sie versteckt hatte, darauf antwortete er: „War besoffen.“

Nur am Ende seiner Erklärung wurde der Angeklagte konkreter. Über seine getötete Lebensgefährtin sagte er, sie sei eine „tolle Frau“ gewesen. Dass sie tot sei, tue ihm leid.

Für diesen Satz hatten die beiden Kinder der getöteten 55-Jährigen nur Kopfschütteln übrig. Sie saßen mit im Gerichtssaal, wirkten aber insgesamt gefasst. Ihre Mutter war von einem der beiden Schüsse in der Lunge getroffen worden. Sie hatte sich noch bis auf den Bürgersteig vor ihrem Haus geschleppt, wo sie in den Armen einer Passantin zusammenbrach. Sie lag mehrere Monate im Krankenhaus im Koma und starb schließlich im Dezember.

Angeklagtem droht lebenslange Gefängnisstrafe

In seiner Erklärung wich der Angeklagte den Aussagen mehrerer Zeugen aus, denen zufolge er seiner Ex-Lebensgefährtin einige Male gedroht haben soll, sie umzubringen. Auf Nachfrage des Richters sagte er, er sei zu den Zeitpunkten dieser Drohungen „besoffen“ gewesen und könne sich an nichts erinnern. Das Amtsgericht Lingen hatte ihm im November 2011 jegliche Kontaktaufnahme mit seiner ehemaligen Geliebten für ein Jahr untersagt. Vor der Tat sei er dennoch zu seiner Ex-Partnerin gefahren, um sie um eine Aussprache zu bitten.

Der Prozess wird am Dienstag (12. Februar) fortgesetzt. Dann will die Tochter der Ermordeten aussagen, die mit ihrem Bruder als Nebenklägerin auftritt. Mit einem Urteil wird am 20. Februar gerechnet. Laut einem Gerichtssprecher droht dem Angeklagten bei einer Verurteilung eine lebenslange Gefängnisstrafe wegen heimtückischen Mordes.

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