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Mit neuem Namen das Ost-Image abgelegt

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03.03.2012

Ergora Mit neuem Namen das Ost-Image abgelegt

Strumpfhersteller Ergora will sich national und international als Markenproduzent etablieren.

Oberlungwitz – Vorbei sind die Zeiten in Oberlungwitz, als Hunderte Frauen in drei Schichten Millionen Paar Strümpfe im Jahr fertigten. Trotzdem hat der Ort zwischen Chemnitz und Zwickau seinen Beinamen „Strumpfstadt“ behalten. In den ehemaligen Rogo-Werken hat die Ergora Fashion GmbH ihren Sitz. Sie ist nach Angaben von Geschäftsführer Peter Herold einer der letzten Feinstrumpfhersteller mit Produktion in Deutschland.

„Ergora bietet ein vollständiges Sortiment an Fein- und Strickstrümpfen und ergänzende Mode“, sagt Herold. Die zur Daun-Gruppe gehörende Esda aus dem erzgebirgischen Auerbach – hervorgegangen aus dem DDR-Strumpfkombinat – habe die Firma Rogo gekauft. Beide Begriffe seien zu „ostlastig“ gewesen, um damit auf dem gesamtdeutschen Markt zu bestehen. Die Marke Ergora habe man aus der Insolvenz einer kleinen Westfirma erworben.

Ergora soll sich im Fachhandel von Hamburg bis München etablieren. Außerdem wird verstärkt der europäische Markt angepeilt. „Osteuropa ist nicht zu unterschätzen“, sagt Herold. Erste Verkaufsaktivitäten gebe es in Russland, Ungarn und der Slowakei.

Esda lieferte viel in den Westen

Damit knüpfen die sächsischen Strumpfstricker an alte Traditionen an. In den 1920er Jahren kamen fast drei Viertel der gesamten deutschen Strumpfproduktion aus dem Chemnitzer Raum. Wie Herold hinzufügt, haben die westdeutschen Frauen auch in den Vorwende-Jahren häufig Strumpfhosen von Esda getragen, ohne es zu wissen. Das Kombinat belieferte namhafte Kaufhauskonzerne und Versandhäuser unter deren Eigenmarken.

Momentan überwiegen Handelsmarken. Zum Gesamtumsatz von 61 Millionen Euro im vergangenen Jahr trug die Marke Ergora gerade mal sechs Millionen Euro bei. Das soll sich ändern. „Fürs Marketing nehmen wir richtig Geld in die Hand“, sagt Herold. Ein Hauptargument für die Zielgruppe Fachhandel ist die Produktion in Deutschland.

Obwohl das nicht ganz stimmt. Die Nachbearbeitung für Fein- und Strickstrümpfe erfolgt schon seit 1997 gleich hinter der tschechischen Grenze nahe Sokolov (Falkenau). Ansonsten hat Ergora die Feinstrumpfproduktion im Esda-Werkteil Glauchau konzentriert. Dorthin ist auch die Sockenfertigung aus Oberlungwitz umgezogen. Eine weitere Strickstrumpffabrik befindet sich in Falkenbach. Diese soll bleiben, weil die Mitarbeiter Jahrzehnte altes Know-how besitzen, wie der Geschäftsführer betont. Mit dem Umzug der Färberei von Auerbach nach Glauchau bis zum Sommer sei die für eine effektive Produktion notwendige Konzentration vorläufig abgeschlossen.

Die Verlagerung arbeitsintensiver Produktionsabschnitte ins Ausland ist aus Herolds Sicht beinahe zwingend, um den Kern in Deutschland zu halten. Insgesamt sind derzeit rund 590 Mitarbeiter beschäftigt, davon 360 in Deutschland. Ob diese in Zukunft zu halten sind, lässt er offen.

Die Textilindustrie stehe unter enormem Kostendruck. Die Baumwollpreise seien 2011 spekulativ in die Höhe geschnellt, Polyamid habe sich um 40 bis 50 Prozent verteuert. Hinzu kämen die Veränderungen im Kaufverhalten. „Der Strumpf als Kleidungsstück spielt immer weniger eine Rolle. Dass die Frauen Hosen tragen, spürt die Industrie“, sagt Herold.

Flexibel dank großer Lagerflächen

Erhebliche Mittel muss das Unternehmen für die Lagerhaltung aufwenden. Aber das ist wiederum ein Pfund, mit dem Ergora wuchert. „Dadurch können wir schnell und flexibel auch kleinere Posten liefern“, sagt der Geschäftsführer. Die 15.000 Quadratmeter Nutzfläche in den Oberlungwitzer Fabrikbauten der 1920er Jahre seien ausgelastet. Ein automatisiertes Regallager suche man aber vergebens. Die Schachteln laut Auftrag zu kommissionieren, könnten gestandene Mitarbeiterinnen viel effektiver, ist Herold überzeugt.

Der Oberlungwitzer Bürgermeister Steffen Schubert (parteilos) hat kein Problem damit, dass Ergora „nur“ Vertrieb und Logistik in seiner Stadt betreibt. „Strümpfe sind unsere Geschichte, unsere Tradition, darum halten wir an unserem Beinamen fest“, sagt er.

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