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Mit einem „Schlag zur Moderniesierung

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23.02.2012

Vitali Klitschko Mit einem „Schlag“ zur Moderniesierung

Der Boxer kämpft für Demokratie in der Ukraine – Deutschland und die EU als Vorbild.

Kiew – Keine 48 Stunden nach dem Boxkampf gegen Dereck Chisora mit all seinen skandalösen Randereignissen kämpft Vitali Klitschko in der Ukraine schon wieder gegen ganz andere Gegner. In der Politik-Talkshow „Swoboda Slowa“ (Freiheit des Wortes), preist er die Anti-Korruptionspolitik der Europäischen Union.

Im dunklen Anzug und grauer Krawatte unterscheidet sich der 40-Jährige Schwergewichtsweltmeister an diesem Abend optisch kaum von den anderen ukrainischen Politikern. Doch seine Statements haben es in sich: „In Deutschland hat der Abgang des Bundespräsidenten gezeigt, wie ein erfolgreicher Kampf gegen Korruption aussehen kann“, erklärte Klitschko dem Publikum. „Aufgabe der Medien ist in der Demokratie nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kontrolle der gewählten Volksvertreter“, referiert Klitschko.

Nicht alle können ihm folgen. Klitschko will mit seiner Partei UDAR (Der Schlag) nicht weniger als die Modernisierung seines Landes. Für ihn bedeutet das nicht nur technische Erneuerung, sondern auch gesellschaftliche Modernisierung. Vor rund zwei Jahren wurde die Partei aus der Taufe gehoben, seither hat sich viel getan. UDAR verfügt mittlerweile über eine enges Netz auf regionaler und kommunaler Ebene. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung ist Partner der Klitschko-Partei und vermittelt neben Know-how auch Unterstützung beim Aufbau einer Organisation.

„Klitschko wird vielerorts noch stark als Sportstar gesehen, die Sporen als Politiker muss er sich noch verdienen“, sagt Dmitri Jankowij. Der 32-Jährige arbeitet als Internetadministrator in Kiew und gehört zu jener Wählergruppe, um dessen Gunst Klitschko wirbt. Obwohl es den ukrainischen Mittelstand fast nur in Großstädten gibt, ist er hart umkämpft.

Klitschkos größter Rivale ist der 37-Jährige Arsenij Jaseniuk. Auch er wird mit seiner eigenen Partei, Front Smin (Front der Veränderung) für die Parlamentswahlen kandidieren. Jaseniuk hat sich bereits 2010 um das Präsidentenamt beworben, war in den vergangenen Jahren Chef der Nationalbank und Außenminister. Laut Umfragen liegt er bei 9,6 Prozent, während Klitschko die neu eingeführte Fünfprozenthürde knapp überspringen würde.

Trotzdem ist Klitschko zuversichtlich, dass er im Herbst siegt. Auf keinen Fall will er sich von einer Seite vereinnahmen lassen. Während Konkurrent Jazeniuk im Verdacht steht, von zwei der einflussreichsten Oligarchen des Landes finanziert zu werden, verzichtet Klitschko auf diese Art von Unterstützung.

Im Gegenteil, als Abgeordneter des Kiewer Stadtparlaments sucht Klitschko seit Monaten die Konfrontation mit der Regierung. So macht er gegen die illegale Abholzung von Innenstadt-Grünflächen mobil. Die Unesco bittet er um Unterstützung gegen den Bau eines Hotels, das an historischer Stelle, gleich neben der Kiewer Sophienkathedrale, einem Unesco Kulturerbe, entstehen soll.

Doch nicht nur der gut ausgebildete Mittelstand der Großstädte ist frustriert. Eine Umfrage des Rasumkow Zentrums hat ergeben, dass 69 Prozent mit der Regierung unzufrieden sind und sich eine Alternative wünschen. Die Opposition versammelt derzeit rund 40 Prozent auf sich. Mit Abstand stärkste Kraft ist die Partei der inhaftierten, ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Batkiwtschina (Vaterland) kommt bei aktuellen Umfragen auf bis zu 17 Prozent.

„Die Opposition ist sehr stark zersplittert“, klagt die Soziologin Irina Bekeschkina. Sie sieht auch für diesen Wahlkampf die Gefahr, dass den Leuten ihre Stimme abgekauft wird. „Wir haben leider genug Erfahrungen mit Buchweizen-Wahlen“, sagt sie. Und weist auf frühere Wahlkampagnen hin, in denen die Kandidaten in die Wohnquartiere der Armen gefahren sind, um Lebensmittelpakete an Bedürftigen zu verteilen. Jeder der die Spende annahm, verpflichtete sich beim Urnengang, für eine bestimmte Partei zu stimmen.

Für Vitali Portnikow, Chefredakteur des unabhängigen Fernsehsenders TVI, klingt das wie eine Provokation. Seiner Meinung nach, hat sich das post-sowjetische System erschöpft, wonach die Regierung soziale Wohltaten verteilt hat, aber keine Mitsprache der Bevölkerung duldete. „Die Macht muss mit denen geteilt werden, die die Gesellschaft aufrechterhalten“, sagt Portnikow.

Genau denen will UDAR ein Sammelbecken und Stimme im Parlament geben. Alleine wird Klitschko es aber nicht schaffen. Er braucht Partner, mit denen er die Modernisierung durchsetzen kann. Die erfahrene Oppositionsführerin Julia Timoschenko wäre eine mögliche Option. Auch die Vaterlandspartei Timoschenkos wird von der Konrad-Adenauer-Stiftung beraten.

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