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Odenwaldschule

© Armin Kübelbeck / CC BY-SA 3.0

07.04.2010

Odenwaldschule Missbrauchsfälle bis weit in die 90er Jahre

Hinweise auf grausame Misshandlungen von Schülern durch Schüler.

Frankfurt am Main – Der Missbrauchsskandal an der hessischen Odenwaldschule nimmt immer größere Ausmaße an. Es sei davon auszugehen, dass bis weit in die 90er Jahre dort Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden seien, sagte die Rektorin der reformpädagogisch orientierten Schule, Margarita Kaufmann, der „Frankfurter Rundschau“. Erstmals gibt es dabei auch konkrete Hinweis auf grausame Misshandlungen von Schülern durch Schüler.

Der Schulleitung liegen demnach inzwischen Berichte von ehemaligen Schülern vor, die grausige Rituale aus der jüngeren Vergangenheit schildern. Nach Auskunft Kaufmanns hätten sich Ostern weitere Missbrauchsopfer gemeldet, die von „furchtbaren Misshandlungen von Schülern an Schülern“ berichtet hätten. Dazu habe das Versengen und Verbrühen von Genitalien gehört, Minderjährige seien von Schulkameraden als „Sandsack missbraucht“ und erniedrigt worden.

Mehrere Schüler sollen laut „FR“ einen Vorfall beschrieben haben, bei dem ein gefesselter Schüler von Mitschülern mit einer Banane vergewaltigt worden sei. Ein Lehrer habe untätig daneben gestanden. Dieser werde auch beschuldigt, in seiner Zeit an der Modellschule sowohl Jungen als auch Mädchen missbraucht zu haben. Ein Altschüler habe die Vorgänge, die bis weit in die 90er Jahre reichten, mit der filmischen Gewaltorgie „Clockwork Orange“ verglichen.

Kaufmann zeigte sich erschüttert über die Berichte von Missbrauchsopfern: „Das sprengt unsere Vorstellungskraft“, sagte sie der „FR“. Sie gehe nach jetzigem Stand davon aus, dass mehr als acht Lehrer von Ex-Schülern belastet worden seien. Die Zahl der Missbrauchsopfer liege nach einer vorläufigen Zählung bei etwa 40. Darüber hinaus kenne sie inzwischen vier ehemalige Schüler, die nach ihrer Zeit im Odenwald Suizid verübt hätten. Von allen vier berichteten Ex-Mitschüler, dass sie ebenfalls missbraucht worden seien.

Der frühere hessische Kultusminister Hartmut Holzapfel (SPD) bestritt derweil, in seiner Amtszeit von 1991 bis 1999 über Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule informiert worden zu sein. „Das ist schlicht unzutreffend“, sagte Holzapfel der „Frankfurter Rundschau“. Der frühere Schulleiter Gerold Becker, der Schüler missbraucht haben soll, hatte laut „FR“ nach Angaben seines Nachfolgers Wolfgang Harder im August 1998 den damaligen Kultusminister Holzapfel über die Vorwürfe informiert. Holzapfel widersprach dieser Darstellung: „Sie können sicher sein, dass ich das nicht für mich behalten hätte“, sagte er dem Blatt. Er hätte Becker in einem solchen Fall auch sofort von seiner Tätigkeit als Berater des Ministeriums entbunden.

Im November 1999 hatte die „FR“ erstmals Missbrauchsfälle an der Schule publik gemacht. Anfang März dieses Jahres wurde erneut über Missbrauch an der Modellschule berichtet. Danach weitete sich der Skandal aus. Auch die Staatsanwaltschaft Darmstadt nahm Ermittlungen auf. Ende vergangenen Monats erklärten fünf der insgesamt sieben Vorstandsmitglieder der Schule ihren Rücktritt. Nur Rektorin Kaufmann und Geschäftsführer Meto Salijevic blieben im Amt.

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