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Pfarrer manipulierte Gemeindemitglieder

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17.01.2012

Missbrauch-Prozess Pfarrer manipulierte Gemeindemitglieder

Polizei geht von weiteren sexuell missbrauchten Kindern aus.

Braunschweig – Der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagte Pfarrer aus Salzgitter hat die Gläubigen seiner Kirchengemeinden offenbar jahrelang manipuliert. Der Leiter der 2011 ermittelnden Sonderkommission der Polizei schilderte am Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig, dass der Geistliche in seiner Gemeinde in Salzgitter-Lebenstedt offenbar die Legende verbreitet habe, er würde zu Unrecht des Missbrauchs beschuldigt.

So sei die Mutter zweier missbrauchter Jungen bei der Wohnungsdurchsuchung des damals Tatverdächtigen hereingestürmt und habe die Polizisten beschimpft. Selbst als der Pfarrer der Frau gestand, ihre zwei Söhne missbraucht zu haben, sei sie ihm um den Hals gefallen und habe ihm versichert: “Wir stehen zu dir.” Die Frau soll am Donnerstag (19. Januar) als Zeugin gehört werden. Die betroffene Familie war eng mit dem Pfarrer befreundet.

Beim Prozessauftakt hatte der 46-jährige Pfarrer alle Vorwürfe der Anklage eingeräumt. Von 2004 bis 2011 verging er sich demnach in 280 Fällen an drei Jungen, die zum Zeitpunkt der Taten 9 bis 15 Jahre alt waren. Betroffen sind die zwei Brüder aus Salzgitter sowie ein weiterer Junge aus Braunschweig, den der Pfarrer in seiner Zeit als Kaplan kennengelernt hatte.

Die Mutter dieses Jungen sagte am Dienstag unter Tränen vor Gericht aus. “Ich bin todunglücklich, dass meinem Sohn das passiert ist”, sagte die 49-Jährige. Sie vertraute dem Pfarrer jahrelang. Der Geistliche war für ihren Sohn wie ein Vaterersatz, sagte die geschiedene Frau. Sie schilderte, kurz verliebt in den Pfarrer gewesen zu sein. Aber der Mann habe ihr versichert, dass er nur der Kirche gehöre. Die Frau fand einen neuen Lebensgefährten.

Die Polizei geht fest davon aus, dass die betroffenen Jungen aus Salzgitter und Braunschweig nicht die einzigen Opfer des Angeklagten sind. Ermittelt wurde unter anderem in einem Fall aus Wolfsburg, bei dem der Angeklagte sich als Tagesvater um einen Jungen kümmerte. Er gab dem Kind wie auch seinen anderen Opfern Kosenamen und verewigte dessen Initialen in seinem Autokennzeichen. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein, weil die Beweise nicht ausreichten.

Nach Überzeugung der Polizei wussten viele Gemeindemitglieder in Salzgitter von dem engen Verhältnis des Pfarrers zu den drei Jungen. Dass die Kinder zeitweise auch bei dem Mann im Pfarrhaus übernachteten, sei zumindest einer Putzfrau bekannt gewesen. Zeitweise habe auch ein rumänischer Landsmann bei dem Pfarrer gewohnt. “Spätestens, als das Gästezimmer belegt war, hätte jemand stutzig werden müssen”, sagte der Kriminalbeamte vor Gericht.

Dass die Eltern der betroffenen Kinder und viele Katholiken dem Priester vertrauten, führt der Ermittler auf die manipulativen Fähigkeiten des Priesters zurück. Der Angeklagte habe mit seinem Charisma Menschen faszinieren, aber ebenso kaltschnäuzig sein können.

Ein Gutachter stufte den Priester als psychisch gesund und damit schuldfähig ein. Der Angeklagte habe allerdings pädophile Tendenzen und nehme die Realität manchmal “verzerrt” war. So sei es für Pädophile typisch zu denken, die Kinder wollten eine sexuelle Beziehung zum Täter. Ähnlich hatte sich auch der Angeklagte vor Gericht geäußert. Ein Urteil wird am Donnerstag (19. Januar) erwartet.

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