Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Minijobber erhalten meist nur Niedriglöhne

© dapd

19.01.2012

Tarife Minijobber erhalten meist nur Niedriglöhne

Hans-Böckler-Stiftung kritisiert geringere Bezahlung bei gleicher Tätigkeit.

Berlin – Minijobs auf 400-Euro-Basis werden in der Regel nur mit Niedriglöhnen bezahlt. Einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge erhielten Minijobber im Jahr 2009 zu 88 Prozent einen Stundenlohn, der das mittlere Stundenentgelt um mehr als ein Drittel unterschritt und damit als Niedriglohn gilt. “Minijobber werden vielfach systematisch geringer bezahlt”, sagte die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Dorothea Voss, am Donnerstag in Berlin. Der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn an allen Arbeitnehmern liege lediglich bei 21 Prozent.

Bei gleichwertiger Tätigkeit sei es verboten, nur wegen einer kürzeren Arbeitszeit einen geringeren Stundenlohn zu zahlen, sagte Voss weiter. Nach dem Gesetz müssten Minijobber die gleichen Bruttolöhne erhalten wie sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit gleicher Tätigkeit.

In der Praxis erhielten viele Minijobber aber nur die gleichen Nettolöhne wie Kollegen mit längerer Arbeitszeit, betonte Voss unter Berufung auf Fallstudien aus Handel, Gesundheitswesen, Gast- und Reinigungsgewerbe. Die finanziellen Vorteile des Minijobs bei Besteuerung und Sozialversicherungsbeiträgen kämen damit anders als vom Gesetzgeber geplant dem Arbeitgeber und nicht dem Minijobber zugute.

Minijobber, die zusätzlich Hartz IV beziehen, werden nach Angaben der Arbeitsmarktforscherin besonders schlecht entlohnt. Hartz-IV-Aufstocker mit Minijob hätten 2009 im Schnitt nur 6,08 Euro pro Stunde verdient, sagte Voss. Der Durchschnittslohn von Minijobbern ohne Harz IV habe dagegen bei 8,16 Euro gelegen. Bei Minijobs von Hartz-IV-Aufstockern werde die Grundsicherung des Staates vom Arbeitgeber von vornherein mit einbezogen. Es werde faktisch ein Kombilohn zulasten der Staatskasse gezahlt, bemängelte die Forscherin.

Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung gab es in Deutschland im Frühjahr 2011 rund 7,3 Millionen Minijobs. Damit war etwa jedes fünfte Arbeitsverhältnis ein Minijob. Für 4,8 Millionen Menschen, darunter 3,2 Millionen Frauen, war der Minijob die einzige Erwerbstätigkeit.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/minijobber-erhalten-meist-nur-niedriglohne-35022.html

Weitere Nachrichten

Agentur für Arbeit Jobcenter Goslar

Symbolfoto © Rabanus Flavus / Public Domain

Bericht Jobcenter Stade zieht Sexpartner-Fragebogen zurück

Das Jobcenter im niedersächsischen Stade hat einen umstrittenen Fragebogen zurückgezogen, mit dem eine Hartz-IV-Antragstellerin aufgefordert wurde, ...

Mercedes-Benz CL 500 Daimler

© Matthias93 / gemeinfrei

Daimler Nicht auf die Kaufprämie für E-Autos verlassen

Daimler-Vorstandsmitglied Ola Källenius hat vor zu hohen Erwartungen an die Kaufprämie für Elektroautos gewarnt. "Wir dürfen uns nicht darauf verlassen", ...

Institut der deutschen Wirtschaft Koeln

© T.Voekler / gemeinfrei

IW-Studie Brexit kostet Deutschland 0,25 Prozentpunkte Wachstum 2017

Der absehbare EU-Austritt Großbritanniens wird das deutsche Wirtschaftswachstum nach einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bereits ...

Weitere Schlagzeilen