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Mindestens vier Menschen getötet

© AP, dapd

03.02.2012

Ägypten Mindestens vier Menschen getötet

Tausende verlangen Rücktritt des Militärrats.

Kairo – Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei sind am Freitag in Ägypten mindestens vier Menschen getötet und über 1.500 weitere verletzt worden. In der Hauptstadt Kairo schleuderten Demonstranten Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei feuerte mit Tränengas und Schrotmunition in die Menge.

Nach den Stadionkrawallen mit 74 Toten am Mittwoch warfen die Protestierenden den Sicherheitskräften Versagen, teilweise auch absichtliche Untätigkeit vor. In Sprechchören forderten sie am Freitag die Hinrichtung des Vorsitzenden des Militärrats, Feldmarschall Hussein Tantawi.

Ein Demonstrant wurde vor dem Innenministerium in Kairo aus nächster Nähe erschossen, wie ein Arzt mitteilte. Zahlreiche Menschen seien mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. In Suez feuerten Polizisten laut Augenzeugenberichten bei Demonstrationen nach dem blutigen Fußballspiel mit scharfer Munition in die Menge, töteten zwei Demonstranten und verwundeten 15 weitere Menschen. Der Sicherheitschef bestritt, dass die Opfer durch Schüsse von Polizisten gestorben seien. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA kam am Freitag ein Angehöriger der Sicherheitskräfte ums Leben, 138 weitere wurden demnach verletzt.

Es waren die ersten Todesopfer bei Kundgebungen seit den schweren Ausschreitungen nach einem Fußballspiel in Port Said am Mittwochabend, bei denen 74 Menschen ums Leben kamen. Vor dem Polizeihauptquartier in Suez versammelten sich etwa 3.000 Menschen, nachdem die Nachricht die Runde machte, eines der Opfer stamme aus Suez. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt und mit scharfer Munition in die Menge geschossen, berichteten Augenzeugen. Ein dritter Demonstrant schwebe in Lebensgefahr.

Die Demonstranten in Kairo und anderen Städten sowie Abgeordnete des neu gewählten Parlaments werfen der Polizei vor, gegen die Ausschreitungen in dem Stadion nicht entschieden vorgegangen zu sein oder die Gewalt sogar bewusst geschehen haben zu lassen. Die Proteste richten sich auch gegen den regierenden Militärrat. Viele vermuten, dass hinter den Stadionkrawallen eine geplante Aktion der Generäle stecke, als Vergeltung für die Schlüsselrolle der als Ultras bekannten Fußballfans bei den Protesten, die zum Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak geführt hatten.

“Ich bin hierher gekommen, weil das, was in Port Said passiert ist, ein politischer Plan des Militärs ist, um zu sagen, entweder sie oder das Chaos”, sagte ein 19-Jähriger Demonstrant.

Die Gewalt in Kairo begann am Donnerstagabend und eskalierte über Nacht. Demonstranten stürmten bei einem Protestmarsch die um das Innenministerium errichteten Barrikaden. Einige Demonstranten warfen mit Steinen und Schuhen und zündeten Autoreifen an, die Polizei feuerte Tränengas und Vogelschrot in die Menge. Hunderte Menschen wurden von Sanitätern behandelt.

Am Freitagnachmittag versammelten sich wieder Tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz. Sie forderten vorgezogene Präsidentschaftswahlen und eine schnellere Machtübergabe des Militärrats an eine zivile Regierung. Etwa 1.500 Menschen marschierten zum Verteidigungsministerium und forderten in Sprechchören die Hinrichtung von Feldmarschall Tantawi. “Das Volk will den Marschall exekutieren”, sangen sie.

Die Demonstranten vor dem Innenministerium erklärten, es nicht stürmen, sondern nur mit einem Sitzstreik gegen die Gewalt nach dem Fußballspiel protestieren zu wollen. Das Innenministerium forderte die Demonstranten in einer Erklärung dazu auf, in diesen kritischen Zeiten auf die Stimme der Weisheit zu hören und nicht weiter Chaos zu verbreiten.

In Alexandria zogen Tausende Menschen mit Fotos der bei den Stadionkrawallen Getöteten vor das örtliche Hauptquartier der Streitkräfte. In Port Said protestierten Hunderte gegen die Gewalt gegen Fußballfans am Mittwoch. Auf einigen Transparenten war zu lesen: “Port Said ist unschuldig, das ist eine billige Verschwörung.”

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