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Milos Forman wird 80

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11.02.2012

Geburtstag Milos Forman wird 80

Der gebürtige Tscheche bekam Oscars für “Einer flog über das Kuckucksnest” und “Amadeus”.

Berlin – Zu Beginn seiner Zeit in Hollywood hat Milos Forman einige Probleme gehabt. Als europäischer Filmemacher kam er Ende der 1960er Jahre dorthin, mit seiner europäischen Erzählweise, den Filmen mit ihren offenen Enden und ihren Freiräumen für Interpretationen. “Hollywood will aber wissen, wer der Gute ist, wer der Böse ist, und wer gewonnen hat”, erklärte Forman einmal. Trotzdem hat er es geschafft, dort zu einer Größe zu werden. Für seine Meisterwerke “Einer flog über das Kuckucksnest” und “Amadeus” bekam er jeweils einen Regie-Oscar. Am 18. Februar wird der gebürtige Tscheche 80 Jahre alt.

Kennzeichnend für Formans Arbeit sind nicht nur sein Realismus und seine subversiven Helden, sondern auch, dass er seinen Schauspielern viel Raum für Improvisationen lässt. Außerdem hat er ein Gespür für die Besetzung. Wenn er einen Schauspieler für eine Rolle vorgesehen hat, lässt er sich zudem nicht so einfach davon abbringen. Ein Beispiel ist Courtney Love, die Forman für “Larry Flynt – Die nackte Wahrheit” haben wollte. Da ihre Versicherung wegen ihrer Drogenprobleme sehr teuer war und das Studio die Kosten nicht übernehmen wollte, legten er, Woody Harrelson, Oliver Stone und Michael Hausman kurzerhand zusammen.

“Larry Flynt” sorgte nach seiner Veröffentlichung für einigen Gesprächsstoff. Manche kritisierten, dass der moralisch zweifelhafte Verleger des Männermagazins “Hustler” als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit dargestellt wurde. Forman verteidigte sich gegen die Vorwürfe, indem er sagte, gerade so jemand müsse seine Meinung sagen dürfen. Das sei schließlich die Bedeutung von Meinungsfreiheit.

Formans Eltern wurden von den Nazis getötet

Meinungsfreiheit ist Forman, dessen Eltern von den Nationalsozialisten getötet wurden und der lange in einem kommunistischen System gelebt hat, als Thema immer wichtig gewesen. Er war acht Jahre alt, als sein Vater – ein jüdischer Lehrer – von den Nazis verhaftet wurde. Forman und seine zwei Brüder wurden von Verwandten und Freunden der Eltern aufgezogen, bevor er nach Kriegsende in ein Internat für Waisen kam.

In seinen Filmen hat Forman diesen Teil seines Lebens nie aufgegriffen. In einem Interview sagte er einmal, er habe – gewissermaßen – Glück gehabt, dass das alles passiert sei, als er noch ein Kind war. Ihm sei damals zwar gesagt worden, dass seine Eltern im Konzentrationslager seien, aber er habe nicht viel damit anzufangen gewusst. Als er erfuhr, dass seine Eltern gestorben sind, hatte er schon einige Jahre ohne sie gelebt, deswegen habe sich in seinem Leben gar nicht so viel geändert.

Seine Liebe zum Film kommt eigentlich aus seiner Liebe für Geschichten. Als Kind sei er immer fasziniert gewesen, wenn jemand eine Geschichte erzählte. Er habe sich dann immer gewünscht, andere würden seinen Geschichten genauso aufmerksam lauschen. Gelernt hat Forman sein Handwerk an der Prager Filmakademie. 1954 schloss er sein Studium ab. Als der Prager Frühling 1968 niedergeschlagen wurde, wollte Forman, der zu dieser Zeit in Paris war, seinen Auslandsaufenthalt verlängern. Als das verweigert wurde, wanderte er in die USA aus.

Nach einer nicht ganz einfachen Anlaufphase brachte er 1971 mit “Taking Off” seinen ersten US-Film heraus. 1975 wurde Forman US-Bürger und schaffte mit “Einer flog über das Kuckucksnest” den Durchbruch in Hollywood. Der Film mit Jack Nicholson und Louise Fletcher in den Hauptrollen wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet. 1983 kehrte Forman nach Prag zurück, um dort “Amadeus” zu drehen – seinen Film über Mozart und dessen Gegenspieler Salieri. Der Film wurde ein Kassenschlager und mit acht Oscars bedacht. Ein kommerzieller Flop war dagegen “Valmont”, Formans Adaption von Choderlos de Laclos’ “Gefährlichen Liebschaften”.

Nach einer längeren Pause brachte Forman 1996 “Larry Flynt” ins Kino. 2000 folgte “Man on the Moon”, eine Biografie des Entertainers Andy Kaufmann. Nach der Komödie “Glauben ist Alles” und seiner verlängerten Version von “Amadeus” kam Forman 2006 mit seinem bislang letzten Film ins Kino, dem Historienfilm “Goyas Geister”.

Wie bei allen seinen Filmen legte Forman darin großen Wert auf Realismus. Alles muss stimmen, bis in das kleinste Detail. Dass das immer gelingt, ist wohl unter anderem Formans gutem Gespür bei der Wahl seiner Mitarbeiter zuzuschreiben, das dann auch zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit führt. Er findet: “Ein guter Regisseur ist ein Regisseur, der für seinen Film Leute engagiert, die besser sind als er selbst.”

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