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Millionen Frauen droht die Altersarmut

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28.03.2012

Bundesarbeitsministerium Millionen Frauen droht die Altersarmut

Sozialverbände schlagen Alarm – Ministeriumssprecher wiegelt ab.

Berlin – Millionen erwerbstätige Frauen in Deutschland müssen befürchten, im Alter in Armut zu leben. Gefährdet sind vor allem jene Frauen, die jahrelang einem Minijob nachgegangen sind. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die am Mittwoch in Berlin bekannt wurde.

Demnach hat das Bundesarbeitsministerium ausgerechnet, dass ein Minijobber, der ein Jahr lang tätig ist, eine monatliche Rente von 3,11 Euro erwirbt. Nach 45 Versicherungsjahren beträgt der Anspruch auf Grundlage der heutigen Werte 139,95 Euro.

7,4 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Stelle auf 400-Euro-Basis, für die sie keine Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen. Darunter waren Mitte 2011 knapp 4,65 Millionen Frauen. Gut zwei Drittel von ihnen haben ausschließlich diesen Minijob. Die seit 1999 fälligen Rentenbeiträge zahlt meist nur der Arbeitgeber.

Sozialverbände bezeichneten die niedrigen Rentenerwartungen als „alarmierend“. Wer Altersarmut vermeiden wolle, müsse „prekäre Beschäftigungsverhältnisse eindämmen“, erklärte die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher. Die von der Bundesregierung geplante Zuschussrente werde nicht viel ändern. „Da diese nur diejenigen bekommen sollen, die zusätzlich privat vorgesorgt haben“, sagte Mascher. Das könnten sich die meisten Minijobber nicht leisten.

Mit der Zuschussrente sollen die Bezüge aus Rentenbeiträgen und privater Vorsorge für Geringverdiener auf bis zu 850 Euro netto aufgestockt werden. Der Präsident des Sozialverband Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, bezeichnete diese Regelung als „Notpflaster“. „Es ist nicht die Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung, für die Spätfolgen einer unsozialen Lohnpolitik gerade zu stehen“, sagte Bauer.

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger, forderte eine Abschaffung der Minijobs. „Von der prekären Beschäftigung führt der Weg direkt in die Altersarmut“, sagte Rosenberger. Sie plädierte für einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Das Sozialministerium hingegen wollte in den bekannt gewordenen Zahlen keine Dramatik erkennen. Die betroffenen Frauen hätten im Laufe ihres Berufslebens noch andere Einkommensquellen und verdienten sich mit den Minijobs lediglich „etwas nebenbei hinzu“, sagte ein Ministeriumssprecher. Minijobs seien allerdings „nicht der Königsweg zu einer ausreichenden Altersvorsorge“.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) wies darauf hin, dass geringfügige Beschäftigung nicht zwangsläufig Altersarmut zur Folge habe. „Berücksichtigt werden muss, dass der Verdienst aus dem Minijob in den meisten Fällen nur einen Teil des gesamten Haushaltseinkommens darstellt“, erklärte das IW. Nur 19 Prozent der geringfügig beschäftigten Frauen seien alleinstehend. Die große Mehrheit profitiere im Alter von der Rente ihrer Partner.

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