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Milliardendebakel in Brasilien belastet ThyssenKrupp-Zukunft

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20.01.2012

Unternehmen Milliardendebakel in Brasilien belastet ThyssenKrupp-Zukunft

Kaum Spielraum für Investitionen in Wachstumsfelder.

Bochum – Das Milliardendebakel beim Neubau eines Stahlwerks in Brasilien entwickelt sich zum Klotz am Bein von ThyssenKrupp. Konzernchef Heinrich Hiesinger sagte am Freitag auf der Hauptversammlung des größten deutschen Stahlproduzenten in Bochum den Aktionären: “Wir sind bei Investitionen eingeschränkt.”

Zwar könne der Konzern das Notwendige finanzieren, um keine Marktanteile zu verlieren. Die ehrgeizigen Wachstumspläne könnten aber erst umgesetzt werden, wenn die Probleme in Brasilien abgearbeitet seien und der Konzern wieder mehr finanziellen Spielraum habe.

Hiesinger war vor einem Jahr bei ThyssenKrupp mit der Absicht angetreten, die Technologiesparte des Konzerns energisch auszubauen und so den Konzern weniger abhängig von der konjunkturabhängigen Stahlsparte zu machen.

Das Sorgenkind in Brasilien wird ThyssenKrupp nach den Worten Hiesinger auch in diesem Geschäftsjahr noch viel Geld kosten. Nach wie vor seien die technischen Probleme in der Anlage nicht vollständig gelöst. Er erwarte deshalb erneut ein “deutlich negatives Ergebnis” im US-Stahlgeschäft. Bis das Stahlwerk mit optimaler Kostenstruktur arbeite, werde es noch geraume Zeit dauern.

Hiesinger widersprach gleichzeitig jedoch Spekulationen über einen raschen Verkauf der Stahlwerke. Um deren Potenzial zu heben, führe “kein Weg daran vorbei, den technischen Hochlauf unserer Werke in Brasilien und in den USA zu einem erfolgreichen Ende zu bringen und die Kosten zu optimieren”. Der Konzern sei weiter davon überzeugt, dass der amerikanische Markt “aussichtsreiche Perspektiven” biete. Das völlig aus dem Ruder gelaufenen Amerika-Engagement hatte dem Essener Konzern im vergangenen Jahr Abschreibungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro beschert.

Breiten Raum nahm in der Hauptversammlung die Frage nach der Verantwortlichkeit für das Brasilien-Desaster ein. So stellten Aktionäre auch die Frage nach der Rolle von ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Cromme selbst wies allerdings darauf hin, eine rechtliche Überprüfung habe “keine Anhaltspunkte für Sorgfaltspflichtverletzungen von Vorstand und Aufsichtsrat” im Zusammenhang mit den US-Projekten gegeben. Ausdrücklich verteidigten Cromme und Hiesinger auch den früheren Konzernchef Ekkehard Schulz, in dessen Amtszeit die Entscheidung zum Bau fiel.

Schulz selbst räumte im “Handelsblatt” (Freitagausgabe) allerdings Fehler bei dem Milliarden-Projekt ein. Er habe zu lange den falschen Leuten vertraut, “die mir die Lage geschönt dargestellt haben”, sagte der Manager. “Der Schaden wäre geringer gewesen, wenn ich früher gehandelt hätte – und glauben Sie mir: Ich mache mir deshalb Vorwürfe.”

Den Vorwurf der Verschleierung der wahren Kosten wies er aber als “infame Unterstellung” zurück. Die Baukosten seien dem Aufsichtsrat regelmäßig berichtet worden. Dies bestätigte Cromme. “Keiner von uns hat auch nur im Ansatz den Eindruck, dass Herr Schulz den Aufsichtsrat bewusst falsch informiert hat.”

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