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Kujath rechnet nicht mit weiteren Großflughäfen

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01.02.2012

Luftverkehr Kujath rechnet nicht mit weiteren Großflughäfen

Enorme wirtschaftliche Chancen durch Drehkreuz-Funktion.

Erkner – Der Metropolenforscher Hans Joachim Kujath rechnet für die Zukunft nicht mit weiteren Großflughäfen auf deutschem Boden. Mit Frankfurt am Main und München gebe es derzeit zwei Luftfahrt-Drehkreuze. Dass sich der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg als drittes Drehkreuz etablieren wolle, sei schon “ungewöhnlich”, sagte Kujath der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Dies könne nur gelingen, wenn Schönefeld zum Heimatflughafen werde für eine neue Airline-Allianz. Mehr als drei solche Umsteigeflughäfen seien in Deutschland aber “weder sinnvoll noch wahrscheinlich”, sagte der Forscher aus Erkner bei Berlin.

Luftfahrt-Drehkreuze (Air-Hubs), entfalten nach Einschätzung des Infrastrukturexperten vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung die größtmögliche wirtschaftliche Dynamik. Dies hänge damit zusammen, dass Tausende Passagiere als Umsteiger durchgeschleust würden. Das System verbessere die Auslastung der Verbindungen, ermögliche eine dichtere Flugfrequenz und erschließe interkontinentale Märkte. Je mehr sich die Hub-Funktion entwickle, desto stärkerer entwickelten sich auch die Airport-Cities als Sammel- und Umschlagpunkt von Gütern, Personen, Informationen – und desto mehr würden Flughäfen zu Wirtschaftsstandorten in einem 24-Stunden-Betrieb.

Allerdings wächst mit der Hub-Funktion des Flughafens und dem Fluggastaufkommen auch die Belastung für die Anwohner: Nach der Erfahrung Kujaths lässt sich der Konflikt zwischen den wirtschaftlichen Vorteilen und der Lärmbelastung für die Bewohner niemals lösen, allenfalls abschwächen. Das Kernproblem bleibe bestehen, selbst wenn die Flugzeuge künftig tendenziell leiser würden und der Lärmschutz effektiv ausgestaltet sei – etwa durch gedämmte Fenster, überdachte öffentliche Bauten oder ein Nachtflugverbot.

Auf mittleren Strecken kann laut Kujath auch die Bahn für eine gewisse Entlastung sorgen. Dies werde aber nicht verhindern, dass die Zahl der Flugpassagiere weiter steige. Die Probleme mit Flughäfen seien international im Übrigen vergleichbar und beispielsweise in Paris noch deutlich ausgeprägter als in Berlin.

Großflughäfen wie in Frankfurt am Main, München oder Berlin seien wirtschaftlich gesehen hochattraktiv und erzeugten “eine ganz neue Lage in der gesamten Region”. So seien große Flughäfen üblicherweise auch ein Zentrum für Handel und Dienstleistungen mit Kongressen, Hotels und Konferenzräumen. In den benachbarten Ballungsräumen entstünden oftmals neue Industrien und technologische Dienstleistungen. Und in der globalen Welt profitiere sogar die Kultur.

In und um Flughäfen mit Hub-Funktion könnten Zigtausende Jobs entstehen, in Frankfurt habe sich der Flughafen als wahre “Jobmaschine” erwiesen – mit über 50.000 Arbeitsplätzen. Idealerweise würden die Flughafen-City und die Wirtschaft der benachbarten Metropole miteinander verknüpft. Dies erzeuge die meisten positiven Effekte. Kujath bilanzierte mit Blick auf Vor- und Nachteile eines Großflughafens: “Wir müssen die Vorteile nutzen und die Nachteile minimieren.”

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