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Mehr als eine Million Kilometer auf dem Tacho

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14.01.2012

Vielfahrer Mehr als eine Million Kilometer auf dem Tacho

Dresdner pendelt seit zwölf Jahren zwischen Sachsen und Berlin.

Dresden – Für Jörg ist noch ein Platz frei. Reiner Klotzsche notiert seinen Namen und die Telefonnummer. “Und bitte pünktlich sein nach Möglichkeit”, sagt er noch und legt auf. Jetzt hat der 53-Jährige noch einen Mitfahrer auf dem Weg nach Berlin, am Montag 5.30 Uhr. Jeden Wochentag fährt Klotzsche von Dresden nach Berlin und abends zurück. In der Hauptstadt managt er die Wartungspläne für die Deutsche Bahn. Vor 15 Jahren zog er mit seiner Familie nach Sachsen ins Haus der Großeltern in Altübigau direkt an der Elbe. Die Arbeit aber blieb bis heute in Berlin – und das heißt pendeln.

Zwei Stunden hin. Zwei Stunden zurück. Die vergangenen zwölf Jahre hatte Klotzsche dabei stets einen treuen Begleiter auf vier Rädern – Obelix. “Den Namen haben ihm die Kinder gegeben”, sagt der Mann, dessen eigene Statur eher an Asterix erinnert, “aber ich hab auch schon mal gesagt: ‘Obelix, lass mich jetzt nicht im Stich’”.

Mit seinem Citröen Xantia, Baujahr 1999, hat Klotzsche das seltene Kunststück fertig gebracht, über eine Million Kilometer zu fahren. Erst vor wenigen Wochen sprengte er den Tacho, der maximal sechs Stellen anzeigt. Das entspricht im Schnitt 230 Kilometern an jedem Tag.

Das Auto kaufte er vor zwölf Jahren in Dresden. “Wir brauchten damals ein größeres Auto für die Familie”, erinnert sich Klotzsche. “Er sollte sparsam sein, und robust.” Beides passte offenbar. Auf der Autobahn schluckte Obelix nie über sechs Liter auf 100 Kilometer. Auch sonst machte das Gefährt seinem Besitzer nur selten Sorgen. Mal streikte die Batterie, mal gab die Lichtmaschine in der Dunkelheit den Geist auf. Nur einen einzigen Unfall gab es, am letzten Arbeitstag vor Heiligabend 2001 auf der verschneiten Autobahn. In einer Ausfahrt krachte Klotzsche voll in einen Schneehaufen. “Vorn war viel kaputt”, sagt er. Zum Glück übernahm das die Versicherung.

“Vor zwei Jahren gab es dann noch mal ein großes Problem”, blickt Klotzsche zurück. Der Druckbehälter in der Hinterachse war undicht. “Das Auto stand nach oben wie eine Rakete.” Da es das nötige Ersatzteil schon nicht mehr gab, musste Obelix provisorisch repariert werden. “Das hat dann bis zum Schluss gehalten”, sagt Klotzsche, der weiß, wovon der spricht. Bevor er zur Bahn kam, hat er KFZ-Schlosser gelernt und später Kraftfahrzeuginstandhaltung studiert. Kein Wunder, dass er auch noch das letzte aus seinem Citroen rausholen konnte.

Ab dem 800.000. Kilometer habe er sich schon mit Abschiedsplänen getragen, sagt er. “Ich wollte die Million – aber nicht um jeden Preis.” 40.000 DM hatte der Neuwagen einst gekostet. Teurer war am Ende aber der Sprit an der Tankstelle. Klotzsche führt gern solche Statistiken. Etwa 50.000 Liter hat er getankt in all den Jahren, sagen seine Tabellen. “Für das Geld hätte ich mir auch einen Porsche kaufen können.”

Ob er mit dem aber so viel erlebt hätte? Neben unzähligen Mitfahrern nahm Klotzsche schon vergessene Reisepässe mit nach Berlin und Unterlagen für die russische Duma, die vom Berliner Flughafen nach Moskau gebracht werden sollten. Neben seiner üblichen Tagesstrecke brachte Obelix die Familie in den Urlaub nach Pisa, Kärnten und die Dolomiten. “Im Norden hat es nur für Rügen gereicht.”

Vor ein paar Monaten erzählte ihm sein Schwager dann von einem Gewinnspiel im Radio. Gesucht wurde der Tacho mit den meisten Kilometern. Reiner Klotzsche meldete sich und holte tatsächlich den Sachsenrekord und ein Preisgeld von 500 Euro.

Jetzt, nach exakt 1.008.800 Kilometern, sollte dennoch Schluss sein. Vor wenigen Wochen tauschte Klotzsche sein Rekordauto in einem Radebeuler Autohaus gegen einen neuen Skoda. “Ich hab mir den Schritt schwerer vorgestellt”, sagt er. Geld bekam er für den rüstigen Obelix keines mehr – aber immerhin einen vollen Tank. Noch immer steht der Citroen nun im Hinterhof des Autohauses. “Den werden wir sicher noch weiterverkaufen”, sagt Verkaufsberater Holger Förstermann, dem selbst nie zuvor ein Tacho-Millionär untergekommen war. “Auf die Straße kommt das Auto aber bestimmt nicht mehr zurück.” Künftig wird er wohl irgendjemandem als Ersatzteillager dienen, der Obelix.

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