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Wie Merkel und Steinbrück gegen Raab bestehen

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18.02.2013

Kanzlerduell Wie Merkel und Steinbrück gegen Raab bestehen

Entertainer moderierte zum zweiten Mal Polit-Talk.

Berlin – Glücklicherweise für Stefan Raab gibt es beim Kanzlerduell nur zwei Kombattanten – und diese sind wohl auch ihm bekannt. Bei der zweiten Ausgabe seiner Talkshow „Absolute Mehrheit“ am Sonntagabend auf ProSieben hatte der Entertainer erst einmal seine liebe Mühe, die Gäste mit dem richtigen Namen anzusprechen. Kaum war ihm das gelungen, war er schon sprachlos: Auf die Frage, ob er die CSU-Politikerin Dorothee Bär mit „Doro“ anreden dürfe, antwortete diese keck, er könne zu ihr sagen, was er wolle, Hauptsache, es gebe Stimmen.

Das verschlug dem Mann, der das Kanzlerduell zwischen Merkel und Steinbrück im Spätsommer moderieren will, kurz die Sprache. Selbstbewusst, schlagfertig, frech und unverblümt auf unverblümte Fragen Antworten geben, so – das zeigte sich schnell – kann man gegen Raab bestehen. Merkel sollte ihr Gesicht also nicht säuerlich verziehen, wenn sie mit „Angie“ angesprochen wird, Steinbrück nicht zurückzucken, wenn er als „Abzocker“ bezeichnet wird. Vielmehr sollten sie sich möglichst freche, aber zugleich authentische wirkende Reaktionen vorbereiten lassen.

Gegen Gäste wie am Sonntagabend, im Schnitt 32,85 Jahre junge Politikerinnen aus der zweiten und dritten politischen Reihe, zudem bislang kaum talkshowerfahren, wirkte Raab dennoch meist souverän. Er hatte es aber auch leicht. Widerworte gab es selten.

Die brandenburgische FDP-Landtagsabgeordnete Linda Teuteberg ging auf Raabs Frechheiten überhaupt nicht ein. Sie lächelte, als er sie fragte, ob es bei dem Chauvi-Haufen in der FDP nicht eine Frauenquote brauche oder ob sie den „Quatsch“ glaube, dass mit Frauen eine andere Kultur in Unternehmen einziehe. Ihre Taktik des Ignorierens kam an, wenn man sich die Zuschauerabstimmung ansieht: Teuteberg gewann den Talk letztendlich deutlich vor Bär. Was aber wohl auch daran lag, dass sie der einzige Gast war, der gegen die Quote ist.

Raab kann auch hartnäckig sein. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Yvonne Ploetz fragte er, ob Fraktionschef Gregor Gysi wegen der Stasi-Vorwürfe denn nun zurücktreten müsse. Bei Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) habe die Linke ja auch sofort nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe vehement deren Rücktritt gefordert. Auf ihre Antwort, bei Gysi sei ja nichts nachgewiesen, meinte Raab, bei Schavan ja auch noch nicht. Darauf gab es keine Entgegnung. Bei einem Kaliber Steinbrück oder Merkel muss sich Raab sicherlich auf eine härtere Art der Auseinandersetzung gefasst machen.

Limbourg nicht allzu glücklich

Ob ProSiebenSat.1-Nachrichtenexperte Peter Limbourg, der die Diskussionsrunde in „Absolute Mehrheit“ mehrmals kommentiert, zufrieden ist, dass der Sender Raab und nicht ihn in das prestigeträchtige Kanzlerduell schicken will, bleibt offen. Nach der ersten Gesprächsrunde über Chancengleichheit von Frauen und Männern monierte Limbourg, er hätte ja bei einem solchen Thema eher die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen in den Mittelpunkt gestellt. Damit kritisierte er indirekt auch Raab. Denn der hatte das Thema Quote vorgegeben.

Zum Schluss setzte er dann noch einen kleinen Nadelstich. Limbourg, der vor dem TV-Kanzlerduell 2009 die Fragen zusammen mit Peter Klöppel (RTL), Frank Plasberg (ARD) und Maybrit Illner (ZDF) gestellt hatte, meinte süffisant: „Stefan, du entwickelst dich langsam zum Hoffnungsträger der FDP.“ Denn auch die erste Ausgabe hatte mit Wolfgang Kubicki ein Politiker der in Umfragen an der Fünf-Prozent-Grenze schrammenden FDP gewonnen.

Jackpot bleibt unangetastet

Den Jackpot von 200.000 Euro knackte aber auch Teuteberg nicht. Die dafür nötige absolute Mehrheit verfehlte sie: 39,9 Prozent der Zuschauer stimmten für sie, 32,9 Prozent votierten für Bär. Auf Rang drei landete Ploetz vor dem – warum auch immer – mitdiskutierenden Musiker Olli Schulz und der Grünen-Politikerin Katja Dörner. Bei der nächsten Ausgabe sind damit 300.000 Euro im Jackpot.

Raabs hatte vor seinem zweiten Auftritt als politischer Diskussionsleiter erklärt, er wolle „am journalistischen Katzentisch“ des Kanzlerduells Platz nehmen. Zuvor hatte der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber Raabs Namen in einem „Spiegel“-Interview ins Spiel gebracht. Das Anliegen des Entertainer sei es, „wieder mehr junge Menschen mit Politik in Verbindung zu bringen“, lobte ihn der Politiker, der auch Beiratsvorsitzender der Münchner ProSiebenSat.1 Media AG ist.

Mit seiner ersten Polit-Talkshow hatte Raab im November viele junge Zuschauer angelockt. Bei den 14- bis 29-Jährigen erreichte der 46-Jährige einen Marktanteil von 24,7 Prozent.

Mehrheit gegen Raab als Kanzlerduell-Moderator

Die „absolute Mehrheit“ der Deutschen sei aber gegen eine Beteiligung von Raab an dem TV-Duell, titelte die „Bild am Sonntag“. 61 Prozent der Befragten hatten sich in einer Umfrage gegen Raab als Co-Moderator ausgesprochen. Immerhin: Die beiden Kontrahenten würden Raab als Co-Moderator wohl akzeptieren. Steinbrück, der sich zunächst dagegen ausgesprochen hatte, ruderte inzwischen zurück. Und auch Merkel hatte über ihren Sprecher erklären lassen, die Auswahl der Moderatoren sei ausschließlich Sache der Sender.

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