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„Hürriyet macht Europa-Redaktion dicht

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28.02.2013

Mörfelden-Walldorf „Hürriyet“ macht Europa-Redaktion dicht

Ausgabe soll in Istanbul produziert werden.

Mörfelden-Walldorf – Die türkischen Zeitung „Hürriyet“ schließt am Freitag (1. März) ihre Europa-Redaktion in Mörfelden-Walldorf. „Die Geschäftsführung hat uns vergangenen Freitag über den Schritt informiert“, sagte der Betriebsratsvorsitzende, Naki Colak, der Nachrichtenagentur dapd. Er bestätigte damit einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z.) vom Donnerstag, wonach die Europa-Ausgabe fortan in Istanbul produziert werden soll.

Betroffen von der Schließung des deutschen Standorts sind dem Betriebsratsvorsitzenden zufolge 13 Redakteure sowie einige Beschäftigte aus anderen Abteilungen. Kündigungen seien seitens der Geschäftsführung der Dogan Media Int. GmbH, zu der „Hürriyet“ gehört, noch nicht ausgesprochen worden. „Das wäre auch rechtswidrig“, sagte Colak. Ob die Mitarbeiter ab Freitag freigestellt würden, sei noch unklar.

„Das ist für uns eine überraschende Wende“, betonte Colak. Viele der Kollegen bangten um ihre Zukunft. „Stellen in der Branche sind rar und die meisten der Redakteure haben sich auf einen deutsch-türkischen Journalismus spezialisiert“, sagte er. Für die Kollegen werde es schwer, wieder in dem Metier unterzukommen.

„Völlig unverständlich“ sei zudem, wie in der Istanbuler Hauptredaktion eine Zeitung gemacht werden soll, die sich an den Bedürfnissen der in Deutschland lebenden, türkischstämmigen Leserschaft orientiert, sagte der Betriebsratsvorsitzende. Artikel aus Deutschland sollten künftig von freien Journalisten eingekauft werden. Außerdem blieben in Städten wie Berlin, Köln, München und Hamburg die jeweiligen Korrespondentenbüros erhalten. Das sei jedoch ein unausgereiftes Konzept: „In der Vergangenheit gab es in der Istanbuler Redaktion immer wieder Fehlinterpretationen zu hiesigen Ereignissen“, merkte Colak an.

Geschäftsführung verspricht sich weniger Kosten

Laut F.A.Z. begründete die Geschäftsführung die geplante Standortschließung in Mörfelden mit dem Anzeigenschwund sowie dem Rückgang der verkauften Exemplare von etwa 36.000 im Jahr 2010 auf aktuell rund 15.000. „Mehr Agilität, mehr Wirkung, aber auch weniger Kosten sind die Gründe dafür“, teilte die Dogan-Mediengruppe auf Anfrage schriftlich mit, warum Mörfelden dicht gemacht wird. Einige Redakteure mutmaßen jedoch, dass der eigentliche Grund ein anderer ist: Über den erst im April 2012 gegründete Betriebsrat sei die Geschäftsführung nicht erfreut gewesen. „Die Vermutung steht zumindest im Raum, dass deswegen die Europa-Redaktion geschlossen wird“, fügte Colak an.

Die Gewerkschaft ver.di hat den Beschluss der Dogan-Mediengruppe scharf kritisiert. „Es gibt ein großes Bedürfnis gerade jüngerer Leser mit türkischem Hintergrund an einer Berichterstattung aus deutsch-türkischer Sicht. Das kann nur eine Redaktion in Deutschland leisten und das hat die Redaktion in Walldorf geleistet“, sagte Medien-Fachbereichsleiter Manfred Moos. Es stehe zu befürchten, dass die Europa-Ausgabe der „Hürriyet“ ihren Charakter verliere.

Sollten sich zudem die Vorwürfe als richtig erweisen, dass die Gründung eines Betriebsrats Auslöser für die Schließung der Redaktion ist, wäre das ein Fall für den Staatsanwalt, betonte Moos. Die Behinderung von Betriebsratsarbeit sei ein Straftatbestand.

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