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Berlinale Mangelware Regiestars

Berlinale-Wettbewerb präsentiert erneut vor allem Neulinge.

Berlin – Die berühmten Regisseure bleiben auch in diesem Jahr dem Wettbewerb der Berlinale fern. Statt Steven Spielberg, Pedro Almodovar, Ken Loach, Terrence Malick, Aki Kaurismäki oder David Cronenberg kämpfen vom 9. bis 19. Februar vornehmlich unbekannte Filmemacher um den Goldenen und die Silbernen Bären. Viele Stars meiden Berlin, weil die mächtigen Studios und Produzenten ihre Premieren lieber weltweit synchron starten lassen. Oder sie bei angenehmeren Temperaturen die beiden anderen A-Festivals in Cannes oder Venedig bevorzugen.

Filmfestspiele zeichnen sich durch Weltpremieren aus. Diese zu bekommen, wird für die Berlinale immer schwieriger. Was zum einen an den neuen Festivals im arabischen Raum liegt, die die Filmschaffenden auch mit viel Geld und Luxus locken. Zum anderen ist für die Berlinale die vorgezogene Oscar-Verleihung ein Problem.

“Damit fallen schon ein paar Filme weg”, räumte Festivaldirektor Dieter Kosslick kürzlich in einem dapd-Interview ein. Hollywood sei bis vor einigen Jahren stark präsent gewesen, “weil wir fast zwei Monate vor der Oscar-Verleihung lagen”. Jetzt seien es zwei Wochen. Wer beim Oscar abräumen will, muss seinen Film aber schon im Herbst zeigen und nicht erst als Weltpremiere im Februar auf der Berlinale. “Wenn wir bestimmte Filme nicht bekommen, dann kann ich auch ein bestimmtes Profil nicht schärfen”, erklärte Kosslick, der zum zwölften Mal Berlinale-Chef ist und vor kurzem seinen Vertrag bis 2016 verlängerte.

Die alljährlich wiederkehrende heftige Kritik an der Auswahl des Wettbewerbsprogramms kann der 63-Jährige aber nicht nachvollziehen. “Welches Festival hat von seinen 20 Filmen denn 17, die großartig sind?”, fragte er, wohlwissend, dass dies kein Festival bieten kann. Außerdem machten die Berlinale-Gewinner durchaus Karriere. Der iranische Bären-Gewinner von 2011 “Nader und Simin, eine Trennung” und “Pina” von Wim Wenders sind mittlerweile sogar für den Oscar nominiert.

Die Regie-Stars, die nach Berlin kommen, greifen auch 2012 nicht in den Kampf um die Bären ein: So zeigt Steven Soderbergh seinen Actionthriller “Haywire”. Der läuft aber als sogenannte Sondervorführung. Stephen Daldry präsentiert “Extremely Loud And Incredibly Close” außer Konkurrenz. Andere Hollywood-Größen wie Angelina Jolie nutzen die Berlinale zur Vorstellung ihrer ersten Regiearbeit: Sie zeigt in einer Nebensparte “In the Land of Blood and Honey”.

Bei den einheimischen Regisseuren setzt Kosslick dagegen mit Vorliebe auf Bewährtes. Mit dabei sind wieder einmal Hans-Christian Schmid (“Was bleibt”), Christian Petzold (“Barbara”) und Matthias Glasner (“Gnade”). Ernst und schwer sind ihre Themen: sie beschäftigen sich mit aufbrechenden Familienkonflikten, der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und der Klärung der Schuldfrage nach einem Verkehrsunfall.

Der Spaßfaktor ist also begrenzt hoch. Auch das ist so ein Vorwurf, den Kosslick immer wieder zu hören bekommt. Zu ernst, zu wenig spielerisch, humorvoll und unterhaltsam komme das Festival rüber. Bei Filmen mit politischer Aussage ist dies allerdings auch nur schwer möglich. Und genau mit solchen Produktionen will Kosslick das Profil der Festspiele als politischstes der großen Festivals schärfen. So auch 2012: In diesem Jahre gebe es Produktionen über Rechtsradikalismus, kündigte Kosslick an.

Trotz aller Hindernisse und Kritik: In der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird die Berlinale auch künftig nicht. Sie zählt zum einen als weltweit größtes Publikumsfestival – erneut werden mehr als 300.000 Besucher erwartet. Zum anderen werden hier neue Talente entdeckt und gefördert. Und die Berlinale ist auch technischen Neuerungen aufgeschlossen, wenn sie denn ausgereift sind. Eine Stilform, die 2011 scheinbar den Durchbruch schaffte, ist 2012 jedoch fast vollständig wieder verschwunden. 3-D-Produktionen starten nicht im Wettbewerb, 2011 waren es gleich drei gewesen.

Um Regisseure der A-Kategorie und noch mehr Stars anzulocken, ist auch immer wieder eine Verschiebung der Berlinale in wärmere, sonnigere Monate im Gespräch. Für Kosslick kommt das nicht infrage. Das Frühjahr sei durch Cannes blockiert, der September gehe nicht wegen der Festivals von Rotterdam und Sundance, Venedig und Toronto seien gerade vorbei, erklärte er.

Auch in diesem Jahr hat Kosslick wieder zahlreiche Weltpremieren im Programm. 18 Stück bietet der Wettbewerb, darunter Produktionen aus Brasilien, China, Indonesien, den Philippinen und dem Senegal. Und Stars werden trotz Schneeregens und Kälte auch zur 62. Berlinale pilgern: Robert Pattinson, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas, Christina Ricci, Tom Hanks, Sandra Bullock, Ewan McGregor, Diane Kruger und Isabelle Huppert sollen über den roten Teppich schreiten.

30.01.2012 © dapd / newsburger.de

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