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75. Geburtstag und zehn Jahre Rente

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07.02.2012

Manfred Krug 75. Geburtstag und zehn Jahre Rente

Die Schauspielerei hat er aufgegeben – Als Sänger tritt er aber noch auf.

Berlin – Schauspieler gehen eigentlich nicht in Rente, Manfred Krug schon. Er hat sich die Freiheit genommen, Schluss zu machen mit der “Textlernerei”, wie er vor Journalisten in Berlin sagte. “Ich wollte noch ein paar Sachen ausprobieren, die ich noch nicht kann.” Allerdings ist er weiter als Sänger auf der Bühne zu erleben. Am Mittwoch (8. Februar) feiert er seinen 75. Geburtstag. Dazu erscheint das dicke “MK Bilderbuch”, in dem er pointenreiche Geschichten aus seinem Leben erzählt.

Seine 2003 erschienene Autobiografie “Mein schönes Leben” endet damit, dass er Schauspieler werden will. Er hatte genug von seiner Knochenarbeit als Stahlschmelzer in Brandenburg. Sein Vater, ein Eisenhütten-Ingenieur, hatte ihn als Zwölfjährigen von Duisburg nach Leipzig mitgenommen.

Als Jugendlicher versuchte er sein Glück an der Schauspielschule. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Frank Beyer begann mit dem Film “Fünf Patronenhülsen” (1960). Als die Berliner Mauer gebaut wurde, war Krug 24 und hielt sich in Duisburg auf. Er kehrte in die DDR zurück, weil er seine Freundin Ottilie und seinen “Busenfreund” Jurek Becker, mit dem er sich die Wohnung teilte, wiedersehen wollte.

“Auf der Sonnenseite” hieß der Film, mit dem Krug 1962 über Nacht ein Star wurde. 1966 folgte der Film, den Krug als den besten seiner Karriere ansieht: “Die Spur der Steine” von Beyer. Als draufgängerischer Brigadeführer Hannes Balla demonstriert er Selbstbewusstsein und schüttet dem neuen Parteisekretär bei der Vorstellung Regenwasser aus seiner Zimmermannshutkrempe auf die Hand. Drei Tage nach der Premiere, in der Krug zufolge “bezahlte Kampfgruppenleute maulten”, verbot der Machtapparat den Film.

Der Karriere Krugs schadete es nicht, im Gegenteil: Ihm wurde sogar eine kulturpolitische Vorbildfunktion zugeschrieben. Für seine Darstellung eines “Helden des antifaschistischen Kampfes und des sozialistischen Aufbaus” bekam er 1968 gemeinsam mit vier Kollegen den Nationalpreis der DDR. Dabei habe der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht zu ihm gesagt: “Der Genosse Krug. Haben Sie denn auch schon die richtige Richtung gefunden?” Krug sagte, er sei verdattert gewesen und habe geantwortet: “Herr Krug, Herr Ulbricht – so viel Zeit muss sein. Woher wissen Sie denn, dass ich mal die falsche Richtung eingeschlagen habe?” Darauf sei lautes Gelächter ausgebrochen. Viel später sagte Krug in einem Interview, er habe nie Angst vor Ulbricht gehabt, weil dieser “dem sanftmütigen Volk der Sachsen” angehört habe.

In rund 40 Filmen, 20 Fernsehspielen und vielen Shows hatte der “DDR-Star mit Weltniveau” mitgewirkt. Krug war auch als Jazz- und Chansonsänger populär. Stolz ist er auch auf seine sechseinhalb Jahre im Musical “Porgy & Bess” in Ostberlin.

1976 kam der Bruch. Wegen seiner Unterschrift unter die Protestresolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wurde er kaltgestellt. Heimlich nahm er ein Treffen zwischen hohen Parteifunktionären und Unterstützern Biermanns in seinem Haus auf Tonband auf, dokumentiert im Buch “Abgehauen”.

Am 20. Juni 1977 übersiedelte Krug mit seiner Familie nach West-Berlin. Er fasste bald Fuß im Westen – bei der “Sesamstraße” und als Lastwagenfahrer in der Vorabendserie “Auf Achse”. Diese brachte den Regisseur Hartmut Griesmayr auf die Idee, ihm die Rolle des Hamburger “Tatort”-Kommissars Paul Stoever anzutragen. Zusammen mit Charles Brauer als Peter Brockmöller (“Brocki”) war er 17 Jahre an dieser Stelle im Einsatz, beide mehrten ihren Ruhm als singendes Kommissars-Duo.

Sein anderer herausragender Erfolg wurde die von Jurek Becker geschriebene ARD-Serie “Liebling Kreuzberg”. Becker ist auch Autor der ARD-Serie zur deutschen Einheit, “Wir sind auch nur ein Volk”. 1997 starb Becker an Krebs, ein Schock für Manfred Krug. Einige Wochen darauf erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich wieder erholte. Doch mit 65 entschied er sich: “Ich bin jetzt Rentner.”

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