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02.11.2019

Digitale Sprachlernanwendung Management-Umbau bei Berliner Start-up Babbel

In Europa hätten Firmenchefs viel seltener einen „Lichtgestalt-Status“.

Berlin – Das Berliner Start-up Babbel, die weltweit umsatzstärkste digitale Sprachlernanwendung, steht vor personellen Veränderungen: Markus Witte, der Babbel vor zwölf Jahren gemeinsam mit dem heutigen Technologiechef Thomas Holl und zwei weiteren Kollegen startete, stößt einen wegweisenden Umbau im Management an.

„Der wesentliche Auslöser für die Veränderung an der Firmenspitze war meine Doppelrolle als Vorsitzender des Boards und CEO“, sagte Witte der „Welt am Sonntag“. Er habe sich „sozusagen selbst kontrolliert, was aber vor allem die Wirksamkeit meiner Rolle als Chairman minderte“. In US-Start-ups komme dies „durchaus häufig vor, in der europäischen Wirtschaft ist diese Doppelrolle aber weniger akzeptiert“, so der Babbel-Mitgründer weiter.

In Europa hätten Firmenchefs viel seltener einen „Lichtgestalt-Status“, entsprechend sei die Führungskultur viel kooperativer geprägt als die letztlich hierarchische Welt von Silicon-Valley-Start-ups, sagte Witte.

Er konzentriere sich als Vorsitzender des Aufsichtsrats künftig auf Strategie und Kontrolle, berichtet die Zeitung. Das operative Geschäft als Vorstandschef übernehme Arne Schepker, der sich bisher vor allem um das eminent wichtige Marketing des Produktes Babbel kümmerte und beispielsweise Kooperationen mit Airbnb und Netflix schloss.

Schepker kam vor vier Jahren von dem Online-Versandhändler Zalando. Seine Aufgabe als Marketing-Chef übernehme die US-Managerin Katherine Melchior Ray, die in den vergangenen Jahren in gleicher Rolle für die Kosmetikfirma Shiseido in Tokio arbeitete und nun vor Kurzem nach Berlin gezogen sei, berichtet die Zeitung weiter.

Für Babbel arbeiten Menschen aus 50 Ländern, darunter 150 Sprachdidaktiker und Linguisten. Das Ziel, Sprachen zu lernen, sei universell und müsse letztlich niemandem erklärt werden, sagte Schepker der „Welt am Sonntag“. Allein im Wachstumsmarkt USA habe das Unternehmen im vergangenen Jahr eine Million Abos verkauft. Wie viele zahlende Kunden die Anwendung insgesamt hat, hätten Witte und Schepker aber nicht verraten, berichtet die Zeitung.

„Der Weg zum Unternehmenserfolg führt nur über das Ziel, einen Wert für Lernende zu schaffen“, so Schepker weiter. Er nannte als Beispiele die Einführung zusätzlicher Lernformate für Abonnenten, etwa Videos und Podcasts.

Neben dem Kerngeschäft, dem Verkauf von Abos an Privatpersonen, deren durchschnittliche Dauer bei etwa 18 Monaten liegen soll, gebe es zwei weitere, bisher noch deutlich kleinere Quellen für Umsatz: Das Angebot „Babbel für Unternehmen“ und die Vermittlung von Sprachreisen über „Babbel Travel“. In diesem Geschäft sei das Unternehmen seit dem Zukauf des Anbieters Lingo Ventura im vergangenen Jahr engagiert.

Den gesamten Umsatz bezifferten die Firmenchefs vage mit „über 100 Millionen Euro“ für das vergangene Jahr, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Unterm Strich erziele Babbel derzeit keinen Gewinn. Dazu seien die nötigen Investitionen für die Expansion in den USA zu hoch. Zudem schlage das weltweite Marketing mit mehr als 50 Millionen Euro jährlich zu Buche, berichtet die Zeitung weiter.

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