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„Major Tom übernimmt Chefsessel bei EADS

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26.01.2012

Unternehmen „Major Tom“ übernimmt Chefsessel bei EADS

Airbus-Chef Enders setzt sich im Gerangel um Topjob der europäischen Luftfahrtindustrie durch.

Hamburg – “Major Tom” hat sich wieder einmal gegen die Franzosen durchgesetzt: Der bisherige Airbus-Chef Tom Enders wird ab Juni neuer Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft EADS. Das beschloss der Verwaltungsrat am Donnerstag. Die Personalie war zwar zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy abgesprochen, aber zuletzt hatte Frankreich nach Presseberichten die Entscheidung verzögert. Der 53 Jahre alte Enders folgt jetzt für 5 Jahre auf den Franzosen Louis Gallois.

Der Bundeswehrmajor Enders kennt sich aus mit Streit zwischen Deutschen und Franzosen. Als er 2007 Airbus-Vorstandsvorsitzender wurde, musste er die Probleme beim Bau des Riesenjets A380 aus dem Weg räumen: Das Flugzeug war viel zu aufwendig konstruiert worden. Nach dem Beginn der Serienproduktion musste jedes Exemplar mühsam und teuer von Hand nachgebessert werden. Franzosen und deutsche Airbus-Mitarbeiter schoben sich gegenseitig die Schuld dafür zu. Inzwischen läuft die Serienproduktion des größten Passagierjets der Welt – ein Erfolg von Enders.

Der Westerwälder begann seine Karriere bei der Bundeswehr – in der Luft als Fallschirmspringer. Bis heute stürzt er sich in der Freizeit noch gerne aus Flugzeugen in die Tiefe, wenn er nicht wandert oder Ski läuft, außerdem besitzt er einen Hubschrauber-Pilotenschein.

1982 begann Enders seine Zivilkarriere in Bonn, als wissenschaftlicher Assistent beim Deutschen Bundestag, später arbeitete der er für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, dann bis 1991 im Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums. Gleichzeitig erwarb er einen Doktortitel der Politikwissenschaft.

1991 wechselte er zum EADS-Vorläufer MBB/Dasa, einen großen Hersteller der Militärindustrie, wo er bis zum Entwicklungschef aufstieg. Nach der Gründung der EADS 2000 übernahm Enders die Militärsparte, ehe er 2005 schon einmal EADS-Chef wurde und zwei Jahre später zu Airbus wechselte.

Enders ist verheiratet und hat vier Söhne. Die Familie lebt in Oberbayern, wohin Enders von seinem Dienstort Toulouse aber nur an den Wochenende kommt.

Sein Image als Macher drohte wegen der EADS-Insideraffäre Kratzer zu bekommen. Enders gehörte zum Kreis der Spitzenmanager, die vor Bekanntgabe der A380-Schwierigkeiten große Aktienpakete verkauften. Die Börsenaufsicht entlastete ihn jedoch.

Jetzt wird Enders voraussichtlich versuchen, EADS und die mit Abstand wichtigste Tochter Airbus enger zusammenzuführen und so die Profitabilität zu erhöhen. Erste Personalentscheidungen weisen darauf hin: Airbus-Finanzchef Harald Wilhelm wird in einer Doppelrolle EADS-Finanzchef. Auch Thierry Baril wird Personalchef beider Firmen.

Enders-Vorgänger Gallois hatte erst vergangene Woche klargemacht, dass höhere Gewinne Hauptaufgabe des Managements bei EADS sind. EADS unterhält Firmenzentralen in Paris und Müchen, Airbus ist in Toulouse zuhause – eine teure Mehrfachstruktur.

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