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Lindners Blitz-Comeback

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12.01.2012

Parteien Lindners Blitz-Comeback

Düsseldorf – Ex-FDP-Generalsekretär meldet sich mit Rede in Düsseldorf zurück.

Früher haben Politiker nach einem Rücktritt monatelang öffentliche Reden vermieden. Heutzutage hingegen ist das Geschäft rasant schnell wie ein Tweet von Peter Altmaier. Und so meldet sich Christian Lindner am Donnerstagabend zurück in der Arena – einen Monat nach seinem Rücktritt als FDP-Generalsekretär.

Mit den Worten „Auf Wiedersehen“ hatte sich Lindner im Dezember verabschiedet. Das Wiedersehen findet in seinem Heimatbundesland statt. Der 33-Jährige hält eine Rede beim „Dreikönigsessen“ des nordrhein-westfälischen Handwerks in Düsseldorf.

Verkleidete Kinder schwenken zur Begrüßung Weihrauchkessel und singen schief. Lindner soll eine Spende in ihre Sammeldose werfen. Er hat aber kein Geld dabei. Lindner leiht sich kurzerhand bei einem Handwerksfunktionär Bares. Er gibt den Sternsingern einen Euro.

Rheinische Mittelständler genießen beim Dinner ihren Wein, während Lindner über die Frage referiert: „Hat eine freiheitliche Wirtschaftordnung Zukunft?“ Freiheit, Lindners Lieblingsthema. Ein Buchprojekt mit dem Titel „Und trotzdem liberal. Meine Idee von Freiheit“ hatte er dagegen unlängst zurückgezogen.

Statt zu schreiben, musste Lindner Unangenehmes über sich lesen. Sein Nachfolger Patrick Döring hatte laut Medienberichten bei einem Hintergrundgespräch gelästert, Lindner habe mit seinem Rücktritt „brandbeschleunigend“ gewirkt. Er sei wie ein erfolgreicher Versicherungsvertriebler gewesen, dem der Erfolg zu Kopfe stieg und der sich „dann einen Porsche kauft“. Wobei Döring sicher wusste, dass Lindner auch schon mal einen schnellen Sportwagen fuhr.

„Wie ein Holzfäller mit der Axt über einen Stamm“ sei der neue über den alten FDP-Generalsekretär hergefallen, urteilte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. In Düsseldorf lässt sich Lindner davon nichts anmerken. Er sagt nur, es gebe in der Politik „zu viele Indiskretionen und Spekulationen“.

Über die genauen Gründe seines Rücktritts nach zwei Jahren im Amt schweigt Lindner weiter. Seine Entscheidung sei „nicht spontan“ gefallen, „sondern überlegt“. Zwischen dem Parteichef und dem Generalsekretär müsse es ein besonderes Verhältnis geben, betont Lindner. Die Rücktrittsgründe habe er nur dem FDP-Chef Philipp Rösler gesagt. Er sei aber „zutiefst davon überzeugt“, dass die FDP ihre „Vertrauenskrise“ überwinden werde.

„Ich spreche nicht aus einem Amt heraus – aber aus Überzeugung“, sagt der junge Ex-General. Bei seinem Rücktritt hatte er gefordert, die FDP brauche eine „neue Dynamik“. Lindner rattert dynamisch sein liberales Glaubensbekenntnis herunter. Er zitiert die bürgerlichen Werte der Buddenbrooks und fordert eine „Kultur der Verantwortlichkeit“ des „ehrlichen Kaufmanns“.

Zur aktuellen Debatte um Bundespräsident Christian Wulff spottet Lindner genervt, man werde ja mittlerweile zum „Experten für Immobilienfinanzierung in Niedersachsen“. Politiker und Journalisten sollten sich weniger über Politiker und Journalisten unterhalten.

Lindner redet nur eine knappe halbe Stunde. Doch er bekommt viel Beifall. Die Wirtschaftsvertreter fühlen sich gut unterhalten. Lacher erntet der FDP-Politiker, als er SPD-Chef Sigmar Gabriel zu brachiale Forderungen in der Finanzmarktkrise vorwirft. Gabriels Vorschläge liefen auf eine „rektale Zahnbehandlung“ hinaus. „Man kommt nicht zum Ziel, richtet aber viel Schaden an.“

Er glaube nach wie vor an den „Wert der Freiheit“, sagt Lindner zum Abschluss seiner Comebackrede. Ein Zuschauer sagt zu seinem Tischnachbarn: „Er ist wieder da.“ Angeblich will sich Lindner eine Machtbasis als kommender FDP-Chef in Köln aufbauen. In der FDP dürfte er sich jedenfalls wieder öfter zu Wort melden.

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